Scb bricht das schweigen: „unser versagen ist nicht akzeptabel“
Die Masken sind gefallen. Nach dem 1:18-Debakel in den Play-Ins und den wütenden Fan-Transparenten meldet sich der SC Bern mit einem Selbstzerriss, der wehtut – und der endlich die richtigen Worte findet.
„Wir haben euch enttäuscht“ – das statement in reinform
Kein beschönigendes Marketing-Vokabular, kein „wir nehmen die Krise zum Anlass“. Der Klub schreibt schlicht: „Das Ausscheiden gegen Rapperswil war in dieser Form schlicht nicht akzeptabel, weder für euch noch für uns.“ Die Entschuldigung folgt ohne Wenn und Aber. „Wir haben unsere eigenen Ansprüche klar verfehlt“, heißt es, und das ist keine Floskel, sondern eine Geste der Demütigung, wie sie in der National Liga selten ist.
Die Verantwortung wird nicht auf einzelne Spieler oder den Trainer abgeschoben. Geschäftsleitung, Sportdirektion, Kader – alle sitzen im selben Boot, das kurz vor dem Kentern steht. Die Fans, die in der letzten Partie mit Sprechchören und zwei riesigen Transparenten („Plüss, pack schnell ein“ und „Kein Herz, keine Eier“) ihren Frust Luft machten, werden im Statement als „Fundament“ bezeichnet. Ein Wort, das in dieser Deutlichkeit wehtut, weil es genau das Gegenteil dessen ist, was man 60 Minuten zuvor auf dem Eis gezeigt hatte.

Was jetzt geschieht: arbeit statt worthülsen
Der SCB verspricht „harte Arbeit, klare Entscheidungen und Taten auf und neben dem Eis“. Konkret wird das in den nächsten Tagen aussehen: ein Evaluierungsgipfel mit Sportchef Martin Plüss, der seine eigene Zukunft offen auf dem Tisch liegen haben wird, sowie ein Leistungsaudit für jeden einzelnen Spieler. Die Botschaft ist klar: Wer nicht liefert, fliegt – Vertragslaufzeit hin oder her.
Die Liga hat den neuen Modus mit den Play-Ins gefeiert, doch für Bern wird er zur Business-Katastrophe. Das Heimspiel gegen die Lakers war nicht nur sportlich ein 1:6, es war auch das Aus für zusätzliche TV- und Ticketeinnahmen von geschätzt 1,8 Millionen Franken. Die Finanzplanung für die Saison 2024/25 droht bereits jetzt zu bröckeln.

Die stimmung in der stadt: „nächstes mal sind wir noch lauter“
In den Sozialen Medien kursiert ein Video, das die Gästeblock-Choreo zeigt: 90 Sekunden lang skandieren die Berner Anhänger „Ri-co-laaaa“ – eine Ohrfeige für die eigene Mannschaft, die an Glaubwürdigkeit verliert, je länger man das Playoff-Torso gegen Rapperswil Revue passieren lässt. Die Drohung der Fans ist unmissverständlich: „Nächstes Mal sind wir noch lauter.“ Der Klub hat die Warnung verstanden.
Martin Plüss, einst Held von 2013, steht mit dem Rücken zur Wand. Sein Vertrag läuft noch zwei Jahre, doch die Geduld der Anhänger ist auf Null. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob der ehemalige Captain die Kurve kriegt – oder ob der SCB einen neuen Architekten für den Wiederaufbau sucht.
Für die Spieler beginnt die Zeit der Zwei-Minuten-Strafen abseits des Eises: Wer nicht in die Playoffs will, muss jetzt ins Fitnessstudio, statt in den Urlaub zu fliegen. Die Saison ist vorbei, die Schmach bleibt. Und der Countdown für die Revanche läuft bereits.
