Scariolo zieht nach efes-knaller die bilanz: real madrid ist wieder da

82:71 gegen Anadolu Efes, 17:1 Heimbilanz, Platz zwei – und trotzdem redet Sergio Scariolo noch nicht vom Titel. „Wir sind einen Schritt näher, aber noch nicht angekommen“, sagt der Coach nach dem 17. Weißen-Sieg im WiZink Center. Die Nacht von Madrid gehört dennoch seinen Jungs – und deren Intelligenz.

Deck und llull drehen die platte

Was in der ersten Viertel schief aussah, rissen Gabriel Deck und Sergio Llull mit reiner Erfahrung heraus. 0/6 aus der Zone, Efes blockiert alles – dann kommt der Argentinier, postet, passt, trifft. Llull folgt, 8 Punkte im zweiten Viertel, 3 Assists, null Ballverlust. „Deck spielt mit Schmerzen, aber mit Hirn. Llull bringt Klasse, keine Show“, so Scariolo. Die Zahl, die er selbst nennt: 22-12-Bilanz, nur noch vier Spiele bis zum Playoff-Sprint.

Die Türken hatten den Korb verriegelt: Poirier, Jones, zwei Türsteher in Weiß. Aber sobald Madrid den Ball bis zur Grundlinie schleppte, zerbarst die Wand. 11/24 Dreier am Ende, 18 Assists, nur 7 Turnover – das ist kein Zufall, das ist System. „Wenn wir außen die richtige Drehung finden, werden selbst ihre Giganten klein“, analysiert Scariolo. Kleines Detail: Die einzige Heimpleite kassierte Real vor 77 Tagen gegen Barça – mit 73:74.

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Tabellenzweiter, punktgleich mit den Griechen, doch Scariolo weigert sich, die Playoff-Brackets vorzurechnen. „Jeder Sieg verändert die Psyche mehr als die Tabelle“, sagt er. Die nächste Woche bringt Valencia und dann Baskonia – beide K.o.-Kandidaten. Die Mannschaft trainiert bereits mit offenen Körpern: Llull macht nach dem Spiel noch 50 Dreher, Deck kümmert sich um seine Finger, die bei jedem Post-Up knacken.

17 Siege in 18 Heimspielen – das ist die beste Quote aller 18 Euroliga-Klubs. Real spielt nicht nur nach vorne, sie spielen auch die Uhr runter. Gegen Efes die letzten fünf Minuten ohne eigenen Fehler, 13 Punkte Vorsprung sicher verwaltet. Scariolo: „Wir haben gelernt, dass Schönheit ohne Kontrolle nicht zählt.“ Die Schönheit sieht man trotzdem: in Decks No-Look-Pass auf Tavares, in Llulls Step-Back, der das Publikum aufstehen lässt.

Am Ende bleibt eine Erkenntnis: Madrid ist nicht mehr das Team, das im Dezember noch um Form rang. Es ist das Team, das im April schon in Playoff-Form ist – und das weiß, dass ein Heimspiel hier nie nur 40 Minuten dauert, sondern 17 Spiele lang eine Botschaft sendet: Wer nach Madrid kommt, fliegt nur mit gebrochenem Selbstvertrauen raus.