Scariolo trägt trauer, fordert jubel: real madrid peilt gegen hapoel den halbfinaleinzug an
Sergio Scariolo stand vor den Mikrofonen, das Kinn fest nach unten gezogen. Erst die Trauer, dann der Kampf. Der Coach des Real Madrid gedachte des am Vortag verstorbenen Moncho Monsalve, neun Titel in vier Jahren, drei davon europäische Krone – „ein großer Madridista, der mir ständig auf die Nerven ging, weil er so sehr wollte“. Dann schwenkte der Italiener auf das Duell dieser Nacht im Movistar Arena: Hapoel Tel-Aviv, Budget größer als das des Rekordmeisters, wartet im Viertelfinale der Euroliga.
Scariolo ruft fans zu lauter symbiose auf
„Füllt die Halle, bis sie kracht“, bat Scariolo die Abonnenten. Er wischt die Debatte über mögliche Unannehmlichkeiten beiseite. „Die Spieler sollen das Brummen spüren, das sie in den letzten Monaten selbst erzeugt haben.“ Die Mannschaft habe ihre Identität erst Stück für Stück gefunden, „aber jetzt steht sie“. Und sie steht vor einem Gegner, der diese Saison als Sensation dasteht: Hapoel beendete die Regular Season auf Rang sechs, versenkte aber mit dem höchsten Etat aller verbliebenen Teams jeden Underdog-Talk im Keim.
Scariolo schätzt die Gefahr realistisch ein. „Selten spielt Madrid gegen einen Verein, der mehr Geld locker macht als wir“, sagt er mit einem schiefen Grinsen. Drei Killer auf der Platte? „Vielleicht sind es fünf.“ Die Verteidigung müsse „herausragend“ sein, sonst zerlegt Tel-Aviv jede Rotation. Dabei verlässt er sich auf eine einfache Formel: kollektive Intensität statt individueller Show. „Wenn wir das Level der letzten Wochen halten, haben wir gute Karten, trotz Budget-Ungleichgewicht.“

Final four? nur ein riesenerfolg, keine pflicht
Die Frage, ob eine Halbfinal-Teilnahme für den spanischen Giganten Pflicht sei, beantwortet Scariolo mit einem schroffen Nein. „Final Four ist ein riesiger Erfolg, nie eine Selbstverständlichkeit.“ Er schaut nicht zurück, spart sich das „Hätte-wäre-wenn“. Die Euroliga sei dieses Jahr so ausgeglichen wie selten: „Die Positionen haben sich in ein, zwei Spielen entschieden – das macht die acht verbliebenen Teams gefährlich.“
Keine Experimente erwartet der Coach, keine versteckten Tricks. „Im April verändert keiner mehr sein Gesicht.“ Dennoch: Reservepläne liegen bereit, „wir beide werden sie auspacken, wenn nötig“. Er weiß, dass Serien zwischen Topclubs oft in Details kippen. Ein verlorener Rebound, ein verpäteter Rotate – und schon fliegt der Favorit raus.
Scariolo endet mit einem Satz, der wie ein Mantra klingt: „Spiel eins ist heute Abend, wir wollen den Vorteil nach Hause tragen.“ Die Trauer um Monsalve bleibt, doch für zweieinhalb Stunden wird sie in weißem Lärm aufgehen. Dann zählt nur noch, wer die Nerven behält – und wer den Korb trifft, wenn das Budget zählt.
