Scandicci zittert, siegt und träumt: istanbul ruft im golden set

Ein 8:3 im Golden Set, dann der Kollaps, schließlich der Biss: 15:13 – Savino del Bene Scandicci steht in der Champions-League-Final Four. Die Toskanerinnen bügeln ein 3:0 aus dem Hinspiel mit einer 1:3-Niederlage in Istanbul ebenso weg wie ihre Nerfs und treffen am 2. Mai auf Eczacibasi.

Antropova spielt sich in die geschichtsbücher

Kate Antropova war ohnehin schon die krasseste Rufnummer des Abends, jetzt ist sie auch die lauteste. 30 Punkte, sieben Asse, unzählige Blicke, die selbst türkische Fans in den Stehplatzbereich ziehen. Ohne die verletzte Ognjenovic organisiert sie das Spiel mit der Coolness einer Bankkauffrau, die gerade erfährt, dass der Dispo erhöht wird.

Die erste Satzrally geht über 62 Ballwechsel – 30:32. Das ist kein Volleyball, das ist ein K.o.-Schlagabtausch auf 9.000 m Höhe. Danach dreht Scandicci auf, serviert den Türken im zweiten Durchgang einen 25:19-Satz auf, als hätte jemand die Lautstärke hochgedreht.

Der dritte satz wird zum albtraum

Der dritte satz wird zum albtraum

13:25. Plötzlich steht Fedorotseva da wie ein Turbo-Modell, Vargas schlägt Bälle, die eigentlich ins Landesarchiv gehören. Marcello Abbondanza, italienischer Coach auf türkischer Bank, winkt seine Mannschaft nach vorn, als wollte er sie in den Bosporus schubsen. Die Halle kocht, die Italienerinnen schauen sich an: Moment, wir haben doch den 3:0-Vorsprung?

Der vierte Satz wird zur Nagelbretter-Rally. 25:27 – Fenerbahçe gleicht aus, der tiefe Seitenwechsel ist passé, jetzt zählt nur noch der Tie-Break auf 15. Und der beginnt mit einem 3:0- und einem 8:3-Vorsprung für Scandicci. Sieht nach Freiluft-Festival aus, wird aber nochmal ein Thriller. Die Türken kämpfen sich auf 13:14 heran, doch Antropova setzt den letzten Ball knapp hinter die 3-m-Linie. Abpfiff. Jubel. K.o.

Istanbul wartet – und mit ihr ein déjà-vu

Istanbul wartet – und mit ihr ein déjà-vu

Scandicci hat dieses Jahr bereits den Klub-WM-Titel geholt. Nun der nächste Schritt Richtung Triple. Gegner Eczacibasi bringt Paola Egonu mit, italienische Feuerkraft mit Istanbuler Fanbase. Die letzte Final-Four-Teilnahme datiert von 2022, das ist Vergangenheit. Die neue Geschichte beginnt am 2. Mai.

Die Zahlen sprechen für sich: 66 Punkte schossen Vargas und Fedorotseva zusammen – und verloren. Savino del Bene gewinnt das Spiel, die Nerven und wahrscheinlich auch die Psyche der Konkurrenz. Wer so lebt, darf träumen. Und wer so kämpft, darf auch mal zittern.