Sascha hildmann schlägt zu: jahn regensland holt den münster-quäler

Regensburg – Keine zehn Tage nach Michael Wimmers Flucht Richtung Norden hat der SSV Jahn die Nachfolge geklärt. Sascha Hildmann unterschreibt bis 2028, übernimmt sofort und bekommt damit den dritten Zweitliga-Absteiger in Serie an die Hand. Die Vertragslänge ist ein Statement: Der Klub zieht durch, wo er 2021 nach dem Abstieg noch wankte.

Vom preußen-macher zum retter in der not

Hildmanns Bilanz in Münster liest sich wie ein Lehrbuch für Drittliga-Krisen: 1,72 Punkte pro Spiel, zwei Play-off-Teilnahmen, 53 Prozent Siegquote gegen Absteiger. Genau diese Erfahrung will Jahn-Chef Joachim Bechtel nutzen. „Er kennt die Liga besser als jeder Scout“, sagt ein Vereinsinsider. Die Zahlen untermauern es: Hildmann holte aus 170 Partien 292 Zähler – nur Christian Streich (Freiburg II) und Torsten Ziegner (Dresden) stehen in der Statistik noch vor ihm.

Die Leiharbeit der vergangenen Tage hatte Co-Trainer Munier Raychouni übernommen. Unter seiner Regie gab es zwei Siege, eine Niederlage, 7:3-Tore. Ein Schnupperkurs, der Hildmanns Start erleichtert. Dennoch: Die Lage ist delikat. Nach 30 Spielen steht Jahn auf Rang 12, nur drei Punkte über dem Strich. Die Restprogramm liest sich brachial: Halle, Dresden, Freiburg II – alles Aufstiegsaspiranten.

Warum wimmer plötzlich kiel reizte

Warum wimmer plötzlich kiel reizte

Michael Wimmer hatte die Mannschaft nach dem Abstieg stabilisiert, die Defensive von 60 auf 36 Gegentore runtergebügelt. Dann der Knall: Am 10. März bat er um Freigabe, um bei Holstein Kiel als Co-Trainer einzusteigen. Intern hieß es, er wolle „eine neue sportliche Herausforderung“ – wörtlich: „Ich brauche den Blick über den Tellerrand.“ Kiels Sportchef Wolfgang Schwenke lockte mit einer Option auf die Chefposten-Nachfolge von Marcel Rapp. Für Wimmer ein Karrieresprung, für Jahn ein Schock.

Die Ablöse liegt laut Verbandspapieren bei 300.000 Euro – ein Betrag, der in Regensburg fehlt, weil die Lizenzspielerabgabe nach dem Abstieg bereits 30 Prozent reduziert wurde. Hildmanns Gehalt soll sich laut Vereinskreisen auf 600.000 Euro jährlich belaufen, plus Boni für den Klassenerhalt. Die Summe frisst fast ein Viertel des Etats. Die Entscheidung also: Risiko statt Sparprogramm.

Der erste test kommt sofort

Der erste test kommt sofort

Am Samstag empfängt Jahn den Halleschen FC, Tabellendritter, Torschützenkönig Terrence Boyd (17 Treffer) im Gepäck. Hildmann wird nur drei Trainingseinheiten Zeit haben, seine Idee zu brandmarken. Aus Münster ist bekannt: Er setzt auf ein 4-2-3-1 mit aggressivem Pressing, verlangt 30 Sprintduelle pro Halbzeit. Die Spieler haben WhatsApp-Nachrichten erhalten: „Wir starten von Null, jeder bekommt ein Blatt Papier – Name, Stärke, Schwäche, Ziel.“

Die Fans reagierten gemischt. Auf Twitter sprießen Memes, die Hildmann als „Münster-Maschine“ feiern. Kritiker erinnern an seine 0:4-Pleite im letzten Jahr gegen den Jahn. Die Kurve wird heute um 15 Uhr bei der Pressekonferenz erste Gesänge proben. Die Devise: „Kein Schnellschuss, aber schnelle Punkte.“

Die Liga schaut nach Regensburg. Nach dem Exodus von Wimmer und dem Coup mit Hildmann ist klar: Wer in der 3. Liga überleben will, braucht mehr als nur eine Taktik – er braucht einen, der die Krise liebt. Ob Hildmann das Liebesverhältnis mit der Oberpfalz packt, entscheidet sich in den nächsten acht Spielen. Die Uhr tickt. Und sie tickt laut.