Sanremo-sieger sal da vinci: seine frau packt aus – so arm waren wir wirklich
„Wir hatten kein Geld für Milch.“ Mit diesem Satz macht Paola Pugliese die Rückseite des Glanzes sichtbar, den ihr Mann Sal Da Vinci gerade auf dem Ariston-Brett vor 13 Millionen Italienern ablieferte. Der Sieg von „Per sempre sì“ ist kein blitzartiger Pop-Triumph, sondern die Belohnung für 40 Jahre Bühnenarbeit, in denen das Paar mehrmals an der Schwelle zum Existenzminimum stand.
Der dunkle neunzigerjahre-keller
Ende der 90er-Jahre war die Sceneggiata-Nische längst kein Geschäftsmodell mehr. Labels strichen Budgets, Radios setzten auf Internationale, und Da Vinci, der mit neapolitanischem Pathos groß geworden war, galt plötzlich als veraltet. „Die Plattenfirma schickte keine Vorschüsse, wir lebten von Tournee zu Tournee“, erinnert sich Pugliese. „Dann kamen die Kinder, Francesco und Annachiara, und wir wussten nicht, wie wir die nächste Woche finanzieren sollten.“
Die Krise kulminierte an einem Dienstag im Februar 1998. Pugliese fand im Küchenschrank nur noch Reis, keine Milchpulver-Packung. Sie stellte Sal ein Ultimatum: „Entweder wir lassen uns helfen, oder wir gehen baden.“

Der anruf, der alles drehte
Am selben Abend klingelte das Telefon. Roberto De Simone, Maestro der Neapolitanischen Oper, suchte für sein Projekt „L’opera buffa del giovedì santo“ einen charismatischen Tenor, der italienische Tradition und moderne Bühnensprache verbinden kann. Da Vinci zögerte – die Sceneggiata war seine Heimat, keine Experimentierbühne. Pugliese hingegen schlug die Brücke: „Wir nehmen das Angebot. Tradition lebt nur, wenn sie atmet.“
Die Aufführung wurde ein Erfolg, der Kritikerlob produzierte Nachfragen, und plötzlich stand Da Vinci wieder auf Playlists. „Roberto gab uns nicht nur Arbeit, er gab uns Selbstvertrauen“, sagt Pugliese. „Ohne diesen Job hätte es den heutigen Sieg nicht gegeben.“
Der song, der aus dem kühlschrank kam
„Per sempre sì“ entstand nicht im Proberaum, sondern nachts in der Küche. Da Vinci saß am Tisch, Pugliese kochte Espresso, als er mit dem Refrain „Per sempre sì, ti amo così“ nervös gegen das Geschirr klopfte. „Das war unser Versprechen aneinander“, erzählt sie. „Kein Marketing-Team, keine Songwriting-Camp, nur ein Eheversprechen, das sich in Melodie verwandelt.“
Die virale Welle nach dem Finale trieb den Stream-Zähler binnen 24 Stunden auf 4,3 Millionen. Alessandro Del Piero postete die Hook, Mahmood rief an und gratulierte. Doch Pugliese lacht trocken: „Die größte Freude? Dass wir heute Milch im Kühlschrank haben – und die Kinder keine Rechnungen mehr für uns bezahlen.“
Die gewohnheit, die den star menschlich hält
Vor jeder Show steckt Pugliese drei Fotos in Da Vincis Jackett: sein Vater Mario, ihr Vater Carmine und der verstorbene Freund Luciano. „Wir glauben nicht an Talismane, aber an Erinnerung“, sagt sie. Auch auf dem Ariston-Parkett blieb der Ritual bestehen. „Als er die letzte Note hielt, wusste ich: Die Männer in den Taschen haben zugehört.“
Jetzt diskutiert das Netz über eine mögliche Eurovision-Teilnahme. Die Quote bei Buchmachern liegt bei 6:1. Pugliese zuckt mit den Schultern: „Wir haben gelernt, nicht übermorgen zu planen. Heute zählt nur, dass unsere Enkel Großvater nicht als armen Künstler, sondern als glücklichen Menschen in Erinnerung behalten.“
Die Ariston-Trophäe steht auf dem Flügel, neben einem alten Milchkännchen aus Blech. Es ist leer – und das ist okay.
