Sanremo schlägt legenden in stein: walk of fame eröffnet
Die Reifen quietschen nicht mehr, aber ihre Spuren bleiben. Unter der corso Imperatrice von Sanremo hat die Stadt am Samstag die Walk of Fame des Radsports eingeweiht – mit Beton, Bronze und dem Duft von Sieg und Niederlage.
Die erste Hand, die in den frischen Beton drückte, gehörte Francesco Moser. 40 Jahre nach seinem Triumph bei der Milano-Sanremo kam der 72-Jährige zurück, um neben den Abdrücken von Mathieu van der Poel und Lorena Wiebes auch die eigene Erinnerung einzugießen. „1984 war mein goldenes Jahr“, sagte er, während sich Touristen um ihn drängten. „Ich habe die Sanremo gewonnen und danach noch den Giro. Heute bin ich Winzer, aber der Poggio schlägt noch immer in meinem Herzen.“
Die straße der flachen handteller
Die Installation ist kein Hollywood-Boulevard mit Overhead-Scheinwerfern, sondern ein 120 Meter langer Radweg, der an die Promenade erinnert. In die Betonplatten sind 78 Namen eingelasert – von Costante Girardengo (1918) bis Wiebes (2025). Jeder Sieger hat seine Handschrift hinterlassen, einige tief, als wollten sie sich festkrallen.
„Wir wollten kein Museum, sondern eine Erinnerung, die man mit 30 km/h erleben kann“, erklärte Bürgermeister Alessandro Mager. Die Idee entstand nach der Wiedereinführung der Frauenrennens 2025. RCS-Sportchef Paolo Bellino rechnete vor: „Die Sanremo Women zieht 1,2 Millionen TV-Zuschauer. Die Walk of Fame soll dem Event ein Zuhause geben, das länger als drei Stunden dauert.“
Vincenzo Nibali, 2018er Sieger, trat einen Schritt zurück, als Kinder mit den Abdrücken fotografiert wurden. „Ich habe auf dem Poggio angegriffen, bei Regen. Diese Platte erinnert mich daran, dass ich damals allein war – und dass es gereicht hat.“

Champagner mit startnummer
Am Samstag wird der neue Sieger mit Spumante 51.151 geehrt – eine Hommage an Moser’s Stundenweltrekord. Der Wein kommt aus seinem Weingut in Trentino, jede Flasche trägt die Startnummer, mit der er 1984 in Sanremo fuhr. „Ich hoffe, dass ein Italiener gewinnt“, sagte Moser und blickte Richtung Filippo Ganna. „Er hat die Power, aber Van der Poel und Pogacar haben die Lunge.“
Die Walk of Fame ist kein Ende, sondern eine Einladung. Wer am Samstag über die Platten rollt, spürt, dass hinter jedem Namen ein Riss durch den Asphalt geht – und dass der Poggio nicht nur ein Hügel ist, sondern eine Zeitmaschine aus Kopfsteinpflaster.
