Sané blufft, wirtz büßt – so wild wird der wm-spaß im dfb-lager

Mainz – drei Tage vor dem letzten Test gegen Finnland. Julian Nagelsmann lächelt breiter als je zuvor. Grund: eine Uno-Partie, die quer durch das Hotelzimmer von Leroy Sané hallte und angeblich „mehrere Zimmer unterhalten“ habe. Die Stimmung? Laut, lauter, Weltmeister.

„Es ging anscheinend um ganz große Titel“, sagt Nagelsmann und zeigt auf die imaginäre Trophäe über seinem Kopf. Der Bundestrainer nimmt die kleine Fußball-Posse ernst – schließlich sagt jede Kleinigkeit im Kader mehr über den Teamzusammenhalt als ein Dutzend Taktikbilder.

Sané gilt als karten-ass – wirtz kassiert das nachsehen

Wer letztlich die Nase vorn hatte, bleibt offiziell im Nebel. „Jeder hat mal gewonnen“, verrät Jamal Musiala, doch der Vorhang lüftet sich einen Hauch: Leroy Sané wurde von mehreren Spielern zum „Karten-Ass“ erklärt. Einer musste zahlen: Florian Wirtz. Seine Strafe? „Er musste zum Trainer gehen und was sagen. Was, bleibt bei uns“, sagt Musiala und lacht so laut, dass ein Reporter sein Mikrofon zurückzieht.

Die Szene ist mehr als bloßer Zeitvertreib. Wirtz’ Gang zum Chef beschwört jene Mischung aus Lockerheit und Respekt, die Nagelsmann seit Monaten kultiviert. Jeder darf Spaß haben, niemand entkommt der Hierarchie.

Harmonie statt klassenfahrt

Harmonie statt klassenfahrt

Auf Nachfrage, ob die Atmosphäre an eine Schulreise erinnere, schüttelt Nagelsmann abwehrend den Kopf: „Bei meiner Klassenfahrt haben nicht so viel Leute zugeschaut, was wir machen, vielleicht zwei Lehrkräfte, ob wir einen Damm bauen oder dass im Zoo keiner verloren geht.“ Hier im Mainzer Quellen-Hotel filmen inzwischen mehr Kameras die Kartenrunde als beim offiziellen Training draußen. Die Parallele lautet: Die Nation schaut zu – und das Team spielt frei.

Die Causa Uno bleibt ein leiser Knall: Kein Twitter-Streit, kein Managersoundbite, sondern echtes Gruppenleben. Nagelsmanns Fazit: „Wir sitzen lange beim Abendessen zusammen.“ Drei Worte, die er so schnell nicht mehr sagen wird, wenn am 14. Juni gegen Marokko erstmals drei Punkte auf dem Spiel stehen. Dann sind es keine Farbkarten mehr, sondern gelb-rote Karten, die über Sieg und Niederlage entscheiden.

Bis dahin blufft Sané, witzelt Wirtz – und die Nation hält den Atem an.