Sané am wm-start: kann er die kritiker verstummen lassen?

Dortmund – Leroy Sané steht vor einer Zerreißprobe. Bundestrainer Julian Nagelsmann zählt auf den Angreifer für das WM-Eröffnungsspiel, doch die Zweifel an seiner Leistung und seinem Einsatzwillen sind weiterhin groß. Sanés Weg zur WM war alles andere als geradlinig – ein Auf und Ab, das ihn immer wieder in der Kritik landen ließ.

Die achterbahnfahrt des nationalspielers

Die achterbahnfahrt des nationalspielers

Noch vor wenigen Monaten forderte Nagelsmann öffentlich Sanés gesteigerte Anstrengung, spielte auf dessen Engagement in der türkischen Süper Lig an. Ein Schlag ins Gesicht für den Profi, der sich sichtlich bemühte, zurückzufinden. Die Nominierung für die DFB-Elf folgte, und Sané schien seine Form wiedergefunden zu haben. Doch der Mai brachte eine neue Hürde: Der aufstrebende Lennart Karl drohte, ihm den Rang abzulaufen. Ein Generationswechsel schien unausweichlich.

Die Verletzung Karls katapultierte Sané zurück in den Fokus. Jetzt hat er die Chance, zu zeigen, was in ihm steckt. Aber die Last der Erwartungen ist enorm. Die Kritik an Sané ist vielfältig: zu wenige Tore, eine angespannte Körpersprache und fehlende Konstanz sind die häufigsten Vorwürfe. Ein Dauerthema, mit dem sich der Offensivspieler seit Jahren auseinandersetzt.

Ein Vergleich, der unfair sein könnte. SPORT1-Chefreporter Stefan Kumberger bemängelt, dass Sané oft einem härteren Urteil unterliegt als beispielsweise Lennart Karl. „Es wird mit zweierlei Maß gemessen“, so Kumberger im „Die WM-Kabine“-Podcast. Während Karl in pinkfarbener Montur gefeiert wird, fallen Sanés teure Jacken zum Gespött. Ein Paradebeispiel für eine unfaire Behandlung, die den Druck auf Sané zusätzlich erhöht.

Es geht aber um mehr als nur Kleidung. Nationalmannschaftsreporter Manfred Sedlbauer erinnert an Lionel Messi, der ebenfalls gerne mal den Kopf hängen lässt. „Diese Diskussion ist doch Quatsch. Viele Offensivspieler haben eine solche Haltung, wenn sie auf Umschaltsituationen warten“, entgegnet Sedlbauer. Sané muss beweisen, dass seine Körpersprache nicht Ausdruck von Resignation, sondern von Konzentration ist.

Sané hat jetzt die Möglichkeit, all seine Kritiker zu widerlegen. Er genießt das Vertrauen des Bundestrainers und ist im DFB-Kader hochgeschätzt. Seine Lache und seine lockere Art im Training zeugen von einem guten Teamgeist. Doch nun muss er diesen positiven Eindruck auch auf den Rasen bringen. Sein Treffer gegen die USA war ein vielversprechender Anfang. Die Augen sind auf ihn gerichtet – und die Geschichte von Leroy Sané ist noch lange nicht zu Ende geschrieben.