Ouédraogo flippt aus: der anruf aus marbella, der sein leben auf 180 drehte

Assan Ouédraogo lag in Marbella in der Sonne, als sein Handy vibrierte. Am anderen Ende: Julian Nagelsmann. 30 Sekunden später sprintet der Leipziger barfuß um die Poolliege, weil er brüllen will, aber niemand soll ihn hören. Die Nachricht: Karl verletzt, Ouédraogo rückt in den WM-Kader nach.

„Dachte erst, er macht witze“

Der 20-Jährige greift zum nächsten Hörer, seine Schwester. „Klar, Assan, und ich bin Queen Elizabeth“, lacht sie und legt auf. Zweiter Versuch, die Eltern klingeln durch. Also packt er hektisch die Tasche, bucht den nächsten Flug und fliegt extra nach Hause – nur für seine Fußballschuhe. „Restliches Equipment habe ich eh dabei, aber die Schuhe passen nur in mein Kofferregal“, grinzt er.

Nagelsmann hatte noch einen letzten Test: „Er fragt mich, ob ich betrunken sei. Ich trinke nicht, also war die Antwort klar: Passt alles.“

Erster im quartier, voll im saft

Erster im quartier, voll im saft

Nach 17 Stunden Reise landet Ouédraogo in Winston-Salem. Kein Zögern, kein Jetlag – er checkt als erster Spieler ein, wirft Koffer in die Ecke und sprintet zum Platz. „Ich bin voll im Saft, das ist wie ein Endspiel am ersten Trainingstag.“

Die Szene ist Programm: Der Youngster, der vor einem Jahr noch in der Jugend kickte, soll jetzt auf der größten Bühne der Welt den nächsten Schritt machen. Die Schwester hat mittlerweile zurückgerufen und glaubt es doch. Die Eltern weinen. Ouédraogo lacht, blickt auf die Fußballschuhe und meint nur: „Wenn die Dinger passen, passt auch der Rest.“