Sander will den böllenfalltor-spirit von spieltag 9 zurückholen

Petrik Sander spürt den Druck. 23 Punkte, Platz 18, Nordtribüne leer – der 1. FC Magdeburg empfängt Darmstadt 98 als klarer Außenseiter. Doch der 65-Jährige schielt nicht auf die Tabelle, sondern auf den 9. Spieltag. Damals stand er frisch auf der Bank, Magdeburg war Tabellenletzter, gastierte beim Dritten – und holte ein 0:0. „Das haben wir diese Woche thematisiert“, sagt Sander. Das Remis war der erste Halt nach sechs Pleiten in Serie. Jetzt soll es die Blaupause für die Rettung sein.

Defensive first – sonst nichts

Sander redet nicht um den heißen Brei herum. Die SV Elversberg hat ihm gezeigt, was geht: eine kompakte Defensive, daraus resultierende Umschaltsituationen, mehr nicht. „Defensive Stabilität muss die Basis unserer Arbeit sein – das ist der einzig richtige und notwendige Schritt.“ Darmstadt bringt „enorme körperliche Präsenz“ mit, das weiß er. Sein Plan: früher Ballgewinn, zweite Bälle sichern, den Gegner nie zur Ruhe kommen lassen. Qualität? Vielleicht. Aber ohne Kampf keine Chancen.

Die Zahlen sprechen gegen Magdeburg. In 25 Spielen nur 23 Treffer erzielt, 50 kassiert – nur Fürth kassierte mehr. Die Roten Latten hat der FCM nach dem Dreier der Franken in Hannover übernommen. Sander nennt den Fürther Sieg „ungewöhnlich“, glaubt aber, dass Überraschungen in der Endphase Normalität sind. „Jedes Spiel ist ein Endspiel“, sagt er. Die Frage ist nicht, wie viele Punkte zum Klassenerhalt reichen, sondern wie viele seine Mannschaft noch holen kann.

Leere nordtribüne, volle hütte am spielfeldrand

Leere nordtribüne, volle hütte am spielfeldrand

Die Sperre der Nordtribüne nach den Ausschreitungen gegen Dynamo Dresden schmerzt. 7.000 Plätze bleiben leer, das Stadion verliert eine Säule. Sander will die Energie trotzdem spüren. „Wir sind diejenigen, die vorangehen müssen“, sagt er. Der Funke springt über, wenn seine Mannschaft das Tempo diktiert, wenn sie Zweikämpfe gewinnt, wenn sie zeigt: Hier will jemand überleben. Die Fans, die kommen dürfen, sollen sehen: Keiner wirft sich hin.

Der Kader ist komplett – bis auf die Langzeitverletzten. Sander kann rotieren, kann frische Kräfte bringen. Aber er wird nicht experimentieren. Das System steht, die Aufgabe ist klar. „Wenn man alles raushaut, dann muss man manchmal auch die Qualität des Gegners anerkennen“, sagt er. Dann wird auch das Publikum akzeptieren. Aber erst nach 90 Minuten, in denen Magdeburg alles gibt.

Kick-off ist am Sonntag, 13:30 Uhr. Darmstadt reist als Favorit an, doch der FCM hat nichts mehr zu verlieren. Sander weiß: Ein Punkt würde reichen, um den Anschluss zu wahren. Drei wären ein Befreiungsschlag. Die Saison ist nicht mehr zu retten – aber vielleicht der Abstieg. Und das wäre für einen Klub, der vor einem halben Jahr noch als Aufsteiger galt, ein kleiner Wunder.