San siro: abschied von einer fußball-legende – tränen und erinnerungen in mailand
Ein letztes aufbäumen vor dem abriss: san siro verabschiedet sich
Im Mailänder Stadtteil San Siro stehen bewegende Tage an. Kurz nach der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele soll das legendäre Stadio Giuseppe Meazza, besser bekannt als San Siro, dem Abriss weichen. Ein Neubau auf dem Parkplatz soll bis zur EM 2032 entstehen. Für viele Fußballfans und Persönlichkeiten ist dies ein schmerzlicher Verlust.

Lothar matthäus: san siro als „wohnzimmer“
Lothar Matthäus, Deutschlands Fußball-Rekordnationalspieler, zeigte sich sichtlich bewegt. „Das Stadion ist mein Wohnzimmer“, gestand er mit einem Kloß im Hals. Die Vorstellung, dass dieser Ort der Fußballgeschichte demoliert wird, schmerzt ihn zutiefst. San Siro ist für ihn mehr als nur ein Stadion, es ist ein Stück seiner persönlichen und sportlichen Vergangenheit.

Eine geschichte voller triumphe und emotionen
San Siro blickt auf eine fast 100-jährige Geschichte zurück. Das Stadion war Schauplatz zahlreicher bedeutender Ereignisse, darunter die WM 1934, die EM 1980 und vier Champions-League-Finals. Auch der FC Bayern München feierte hier 2001 mit dem Sieg durch Oliver Kahn einen historischen Triumph. Doch San Siro ist mehr als nur Fußball: Bob Marley gab hier ein unvergessenes Konzert vor 120.000 Menschen, und auch religiöse Messen fanden hier statt.
„La scala del calcio“: eine oper des fußballs
Für die Italiener ist San Siro, wie es bis 1980 hieß, „La Scala del Calcio“, die Fußballoper. Fabio Capello, eine Milan-Legende, beschrieb das Stadion als „Geschichte, Leben und ein Monument voller Emotionen“. Seit 1947 teilen sich AC Mailand und Inter Mailand die Spielstätte, was die Rivalität zwischen den beiden Vereinen noch verstärkt.
Erinnerungen an den uefa-cup-sieg und die wm 1990
Auch deutsche Fußballer verbinden besondere Erinnerungen mit San Siro. Olaf Thon schwärmt vom „Fußball-Kolosseum“ und erinnert sich an den Triumph der Schalker Euro-Fighter 1997 im UEFA-Cup-Rückspiel bei Inter, bei dem 20.000 Fans in königsblauer Begeisterung feierten. Die deutsche Nationalmannschaft bestritt bei der WM 1990 fünf Spiele in Mailand und erhielt bei der Renovierung des Stadions die elf ikonischen Spiraltürme.
Ein appell an die olympioniken: blickt nach oben!
Capello rät den Athleten bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Winterspiele: „Schaut nach oben“, auf die Türme und die mächtigen Tribünen, die bald in Staub zerfallen werden. Es ist ein letzter Moment, um die Pracht und die Geschichte dieses einzigartigen Stadions zu würdigen. San Siro wird fehlen, aber seine Erinnerungen bleiben lebendig.
