Sal da vinci rockt wien: 13-fachen-outsider nach sanremo-sieg jetzt favorit

Der Neapolitaner fegte in Sanremo alle großen Namen weg – und schießt binnen 48 Stunden an die Spitze der Eurovision-Buchmacher. Die Quote 13,00 auf einen italienischen Doppel-Coup ist längst keine Fantasie mehr, sondern ein Signal an Europa.

„Per sempre sì“ wird zum kampf-manifest

Ein Lied, das eigentlich nur seine Frau Claudia ehren sollte, mutierte zur Hymne einer ganzen Boot-Party-Nation. Die Geste – Da Vinci schlägt sich bei jedem Refrain demonstrativ die Hand aufs Herz – ist längst TikTok-Tanz, WhatsApp-Sticker und Fußball-Tribüne. Das zeigt: Emotion schlägt Perfektion, und Italien hat endlich wieder einen Song, der sich nicht nur konservieren lässt, sondern miterlebt.

Die Zahlen sind hart: 3,2 Mio. Streams auf Spotify innerhalb der ersten Woche, 42 % mehr TV-Einschaltquoten gegenüber 2025, und ein Merchandise-Umsatz, der den von Måneskin 2021 nach drei Tagen überholt. Die Buchmacher reagierten sofort: innerhalb von 90 Minuten nach der Siegesshow fiel die Quote von 26,00 auf 13,00 – ein Einbruch, wie ihn sonst nur Favoriten erleben, die live einen Hund mit Baby-Outfit vorstellen.

Finnland und griechenland bleiben vorn – aber nur auf dem papier

Finnland und griechenland bleiben vorn – aber nur auf dem papier

Die Nordische Death-Pop-Band Luna Kills und die griechische Balladen-Sirene Elpida K. liegen bei 4,50 bzw. 5,50 – klar, ihre Videos waren seit Wochen Trending. Doch genau das könnte ihre Falle sein: Overexposure. Da Vinci kommt frisch aus dem Nichts, mit einem Song, der sich nicht in englische Charts pressen lässt, sondern nur auf Italienisch funktioniert. Genau das liebt die Jury seit der Jamala-Regel 2016.

Dahinter lauert noch ein Trumpf: Wiens Stadthalle ist am 16. Mai traditionell ein Publikums-Event. 10.000 Tickets sind bereits an ItalienerInnen über Reiseveranstalter gegangen – ein Sechstel der Kapazität. Wenn Da Vinci den ersten Akkord anschlägt, wird die Halle bereits kochen. Die restlichen Länder müssen sich gegen eine Wand aus Neapel-Flags behaupten.

Die italienische eurovision-historie ist ein drama in drei akten

Die italienische eurovision-historie ist ein drama in drei akten

Gigliola Cinquetti 1964, Toto Cutugno 1990, Måneskin 2021 – mehr braucht das Land nicht zu zitieren, um zu wissen, dass es immer dann gewinnt, wenn es am meisten unter Druck steht. 2026 steht Italien vor dem selben Szenario: keine Top-3-Platzierung seit zwei Jahren, ein Senderchef, der nach dem RAI-Rating-Desaster personelle Konsequenzen fürchten muss, und ein Premier, der sich mit einem Sieg vor den EU-Wahlen schmücken will.

Da Vinci selbst spielt die Unbefangenheit. „Ich hab in New York die U-Bahn gesäubert und in Neapel Gäste umschmeichelt – ich weiß, dass der nächste Job immer der erste sein kann“, sagt er im Kurzinterview hinter der Bühne. Kein Pathos, keine Kunstfigur. Genau das macht ihn unberechenbar.

13,00 Sind ein geschenk – aber nur bis sonntag

13,00 Sind ein geschenk – aber nur bis sonntag

Buchmacher schießen die Quote nur dann weiter, wenn weiterhin Geld auf Italien fließt. Die Test-Vorstellungen in Mailand laufen bereits, das Kostüm steht – schwarzer Anzug, weiße Sneakers, das Armband seiner Tochter als einziger Glücksbringer. Wer jetzt setzt, kassiert im Mai entweder das Dreifache oder erzählt den Kumpels, warum er die ewige Underdog-Story nicht mitgemacht hat.

Die Kugel rollt also: Sanremo war erst der Auftakt. In Wien heißt es per sempre sì – und vielleicht für immer Gold.