Sal da vinci räumt ab: neapel feiert den popstar vom tevere

Neapel ist um einen Sieg reicher, Mailand um eine Überraschung ärmer. Sal Da Vinci, 58, der Mann mit der Stimme aus der Tiefe der Vucciria, hat das Sanremo-Festival 2026 geknackt – und das mit einem Lied, das klingt, als hätte es die Stadt selbst geschrieben.

„Per sempre sì“: ein ohrwurm, der neapel erobert

Die Nacht begann mit einem Blick. „Wir haben uns lange angesehen, meine Frau und ich“, sagte Da Vinci nach dem Finale und meinte damit jenen Moment, in dem klar wurde: Das Lied, das er vor 30 Jahren in einem Keller in Via Toledo komponierte, würde das ganze Land elektrisieren. 72 % der Televoting-Stimmen gingen an ihn – ein Wert, den zuletzt nur Måneskin übertroffen hat.

Doch hinter dem Sieger steckt mehr als ein Refrain. Sayf, der Rapper aus der Bahnhofsviertel-Nummer zwei, sprach vom „Leicester-Gefühl“: eine Truppe von Außenseiter*innen, die sich in fünf Wochen vom Studio in Torino auf die Ariston-Bühne gespielt haben. Ditonellapiaga, Platz drei, hatte ihren Triumph schon vor dem Finale abgefeiert: „Mein Titel war gar nicht für Radio gemacht. Dass er trotzdem landet, ist Populismus in Reinform.“

Der anruf vor dem finale

Der anruf vor dem finale

Was niemand im Presseraum wusste: Da Vinci hatte kurz vor der letzten Live-Show Geolier angerufen – jener Neapolitaner, der 2024 mit „Polvere“ die Charts sprengte. „Er kommt wie wir aus dem Volk“, sagte Da Vinci und ließ die Bombe platzen: „Wenn ich nach Rotterdam fahre, nimmt er den Chor ein.“ Ein Deal, der die Eurovision-Delegation bereits jetzt nervös macht. Denn der europäische Rundfunkverband liebt klare Linien – aber was ist schon klar, wenn zwei Neapolitaner das Mikro übernehmen?

Die Zahl, die bleibt: 5,4 Millionen Live-Zuschauer allein in Italien, plus 830 000 Stream-Zugriffe in der ersten Stunde nach der Siegesshow. Die Rai hat bereits eine Sonderfolge von „Sanremo Story“ angekündigt – mit Da Vinci als Gastgeber. Dreharbeiten starten am 4. März, Drehort: das Castel dell‘Ovo, direkt am Golfo. Dort, wo die Wellen gegen die Steine schlagen und die Lautsprecher „Per sempre sì“ auf Maximum laufen, wird Neapel erneut beweisen, dass es nicht nur Pizza und Passion erfindet, sondern auch den Sound, der ganz Europa bewegt.