Sakamoto fliegt, weint, siegt: gold-krönung in prag

Kaori Sakamoto brauchte vier Minuten, um eine ganze Karriere zusammenzufassen. Die 24-jährige Japanerin trat am Freitagabend in Prag an, als wäre nichts gewesen: kein Druck, kein Abschied, keine Konkurrentin, die sie je schlagen konnte. Dann drehte sie ihre Kür, stieg in die Lutz-Flip-Kombination, ließ das Eis klacken – und landete auf 238,28 Punkten. Persönliche Bestleistung. Titel Nummer vier. Tränen statt Taktik.

Die zahlen, die alles sagen

238,28 Punkte bedeuten 2,12 Zähler mehr als ihr bisheriges Maximum. Bedeuten 9,81 Punkte Vorsprung auf Mone Chiba, die Silber gewann. Bedeuten 23,08 Punkte Vorsprung auf Nina Pinzarrone, die Überraschungsbronze aus Belgien mitnahm. Und sie bedeuten vor allem: Sakamoto geht, aber sie geht als Unangefochtene. Niemand hat in der Geschichte der Damen-Kunstläufe so viele WM-Titel in Serie geholt – außer Irina Rodnina, und die war Paarläuferin.

US-Hoffnung Amber Glenn rutschte dagegen ab: Vom dritten Platz nach dem Kurzprogramm auf Rang sechs, 12,54 Punkte fehlten zur Medaille. Ihre Tränen waren keine Show, sondern das Bild einer Saison, die seit Olympia nur noch schwerer wurde. Denn wer einmal Silber in Italien verpasst, der trägt das Gewicht durchs ganze Jahr.

Der einzige makel bleibt in peking hängen

Der einzige makel bleibt in peking hängen

Sakamoto hat alles gewonnen – außer das, was Amateure als „das große Gold“ bezeichnen. Olympiasieg? Fehlanzeige. In Peking 2022 wurde sie Dritte, hinter der Russin Scherbakowa und der aus Russland startenden Valieva. 2026 in Italien lag sie nach zwei Fehlern im Kurzprogramm wieder nur zweimal auf dem Treppchen, diesmal hinter Alysa Liu. Liu selbst fehlte in Prag – müde, klar, aber auch: ohne Gegnerin, die sie fürchten musste.

Die Japanerin selbst wollte von „unvollendet“ nichts wissen. „Ich habe vier WM-Titel, das ist mehr, als ich je erträumt habe“, sagte sie nach der Siegerehrung, das Goldband um den Hals bereits verklebt von Schweiß und Läufer-Puder. „Olympia ist ein anderes Turnier, andere Tage, andere Nerven. Heute bin ich einfach nur glücklich.“

Deutsches eis bleibt leer – und das ist kein zufall

Deutsches eis bleibt leer – und das ist kein zufall

Keine Deutsche war in Prag am Start. Das ist kein Ausfall, sondern ein System. Seit Nicole Schott 2023 in Saitama als 17. ausschied, hat kein deutscher Frauen-Skater die Mindestqualifikation für die WM erfüllt. Der Verband nennt das „Rekonstruktionsphase“, die Athleten nennen es „Loch“. Die nächste Hoffnung trägt noch keinen internationalen Namen, dafür aber die Startnummer 40 im Junioren-Grand-Prix – das reicht nicht mal für die Tickets in die Halle.

Sakamoto hingegen wird nun erst einmal verschwinden. Kein Comeback, keine Trainer-Karriere, keine Show auf Kreuzfahrtschiffen. „Ich will einfach nur Schlaf, Ramen und meine Familie“, sagte sie. Die Eiskunst-Welt wird sie vermissen – und ihre Konkurrentinnen werden endlich Luft holen können. Denn wer gegen Sakamoto lief, lief meistens um Platz zwei.