Jović jagt wieder tore – und spanien: vom 63-millionen-flop zum griechischen messias

Sechs Jahre nach dem Mammut-Transfer zu Real Madrid steht Luka Jović wieder in Startloch: 20 Treffer in 37 Spielen für AEK Athen, ein Viererpack im Derby, am Freitag die nächste Bühne – Estadio de la Cerámica, Gegner Spanien, 21 Uhr. Die Spanier wissen nicht, was auf sie zukommt.

Der knall kam in piräus, nicht in madrid

Die Zahlen sind so schlicht wie brisant: 27 Liga-Tore in seiner einzigen vollen Bundesliga-Saison, dazu Europa-League-Feuerwerk für Eintracht Frankfurt. Danach 33 Pflichtspiel-Tore in sechs Jahren – auf vier Klubs verteilt, zwei Bundesländer, zwei Mode-Metropolen. Der serbische Torjäger wurde zum Running Gag der Quotenpaparazzi, sein Marktwert raste von 63 Millionen Euro auf Laufbahn-Niveau. Was keiner rechnete: Griechenland wurde nicht das Aus, sondern die Rettung.

Mitte Januar schlug Jović vier Mal gegen Panathinaikos ein, AEK gewann 4:0. Die Kurve sang seinen Namen, der Klub liegt in der Super League vor Olympiakos, die Conference-League-Träume leben. Die Rede ist nicht mehr von „einmaliger Knipser“, sondern von „systemrelevant“. Manager und Mitspieler berichten, wie Jović mittlerweile in jede Kombination eingreift, wie er die Jugend anleitet, wie er defensive Standards mitorganisiert. Kurz: Der 28-Jährige spielt Fußball, nicht nur Torwart-Gehabe.

Ohne vertrag, ohne netz – und mit neuer einstellung

Ohne vertrag, ohne netz – und mit neuer einstellung

Der Weg nach Athen war ein Absturz mit Ansage. „Ich war mental erschöpft“, sagt Jović rückblickend. Sommer 2025: Vertrag bei Milan ausgelaufen, Rückkehr nach Spanien geplant, Oviedo winkte – doch die Finanzspritze war zu groß, der Klub zog den Stecker. „Er war mir zu teuer“, konterte Jesús Martínez, Hauptaktionär von Oviedo. Sprungbrett statt Ruhesitz? Fehlanzeige. Also Flugticket Richtung Südosten, Stoff dankend angenommen, Vorbereitung verschlafen, Form gefunden.

Das bemerkenswerte Detail: Jović selbst redet seine Torquote klein. „Ich bin kein Spieler, der nur im Strafraum wartet“, betont er. Die Statistik lügt nicht – in Athen fällt er öfter zwischen die Linien, schaltet sich in Pressing und Ballstafette ein. Die Tore kommen als Nebenprodukt, nicht als Selbstzweck. Es ist dieselbe Einstellung, die ihn einst in Frankfurt begeistern ließ, nur mit mehr Lebenslauf auf dem Rücken.

Spanien, die alte zunge, und ein beweis ohne ballack-show

Spanien, die alte zunge, und ein beweis ohne ballack-show

Am Freitag kehrt er zurück auf spanischen Boden – nicht im weißen Dress, sondern im blau-weißen der Nationalelf. Das Stadion in Villarreal ist kleiner als das Bernabéu, die Erwartungshaltung größer. Denn während Spaniens neue Generation um Lamine Yamal und Nico Williams die Zukunft plant, steht ein Mann vor der verspäteten Revanche, der einst als Galáctico-Import galt und nun als Importeur neuer Lust aufbrummt.

Die Marca titelte: „Jović ist ein Gott auf dem Olymp“. Die Ironie: Genau dort, im Olympiako-Stadion von Athen, fand er sich selbst. Wenn er gegen Spanien trifft, wird die Geschichte nicht nur einen Fußnote haben – sie bekommt einen neuen Absatz im Lehrbuch über Transfer-Risiko und Mentale Resilienz. Denn die Wahrheit ist simpel: Tore kann er immer erzielen, die Frage ist nur, ob die Umgebung ihm erlaubt, Mensch statt Marke zu bleiben. In Athen gelingt das gerade. Spanien wird der nächste Prüfstein sein – und Jović ist endlich wieder bereit, ihn anzunehmen.