Sainz zerlegt suzuka-hoffnungen: „wir brauchen ein wunder – und april wird zur zitterpartie“

Carlos Sainz sieht keinen Grund für Euphorie. Nach dem glücklichen Doppelpunkt in Shanghai spricht der Spanier offen aus, was viele in Grove denken: „Wir sind zwei bis drei Zehntel von der nächsten Mittelfeld-Gruppe entfernt, das ist Niemandsland.“ Suzuka werde kein Befreiungsschlag, dafür sei zu wenig Zeit vergangen.

Der neunte platz war ein statistischer ausrutscher

Sainz schiebt dem Erfolg von zwei Wochen einen realitätsfernen Beigeschmack zu. „Es war keine Folge eines besseren Renn-Setups, sondern reines Chaos-Management“, sagt er und verweist auf verpatzte Qualifyings der Konkurrenten. Die Q1-Rotations-Choreografie einiger Piloten habe Alex Albon damals nach vorn gespült – ein Szenario, das sich nach seiner Einschätzung in Japan kaum wiederholt.

Die nüchterne Analyse kommt vom Mann, der den Winter in der Fabrik verbrachte und dort schon Mitte Januar ahnte, dass der FW48 übergewichtig und verspätet kommen würde. „Die Zahlen lagen auf dem Tisch, aber keiner wollte sie so recht glauben“, sagt Sainz. Er selbst begann früh mit mentaler Vorbereitung auf das Schlimmste.

Der april-stillstand wird zur schicksalslage

Der april-stillstand wird zur schicksalslage

Die Absage der Rennen in Bahrain und Saudi-Arabien könnte Williams’ letzte Karte sein. Denn nur mit radikalem Leichtbau und einer Flut neuer Aerodynamik-Teile besteht laut Teamchef James Vowles die Chance, in Miami wieder ins Punkterennen einzugreifen. Sainz bestätigt: „Wenn wir in diesem Monat das Auto nicht entzaubern, verpassen wir die Saison.“

Das interne Ziel lautet: Mindestens zehn Kilogramm Gewicht sparen, um die Reifen nicht mehr über deren Optimum-Temperatur zu quälen. Gleichzeitig sollen neue Carbon-Versionen der Bodengruppe und der Seitenkästen mehr Abtrieb liefern. Ein Paket, das bei anderen Teams ebenfalls auf der Rolle steht – deshalb bleibt die Frage offen, ob der Aufwand reicht.

Resilienz statt rückzug

Resilienz statt rückzug

Für Sainz steht fest: Der aktuelle Tiefpunkt ist Teil eines größeren Reorganisationsprozesses. „Nicht jeder Erfolg verläuft linear“, sagt er mit Blick auf Vergangenheit und Zukunft der Traditionsmannschaft. Er glaubt, dass die Misere Strukturfehler offenlegt, die sonst jahrelang unter der Decke geblieben wären. „Wenn wir diese Viruslast jetzt ausschwitzen, springt das Team danach umso höher.“

Die Botschaft an die Mechaniker und Ingenieure: „Lasst uns die Wunden offen halten, damit sie richtig heilen.“ Die nächsten fünf Rennen sind demnach nicht mehr als ein schmerzhaftes Monitoring-Programm. Das echte Ziel heißt Miami – und dort will Sainz nicht mehr vom Glück, sondern von der Stopuhr sprechen.