Sabalenka platzt der kragen: „ich sollte mein match im nebenstadion austragen, damit alcaraz nicht warten muss“

Aryna Sabalenka schlägt Ann Li 7:6(5), 6:4 – und kocht trotzdem vor Wut. Die Weltranglistenerste wurde kurzfristig vom Center Court auf Court 2 verbannt, damit der Herren-Showdown Alcaraz-Fonseca pünktlich beginnen kann. „Ich war schockiert“, sagt sie nach dem Spiel. „Noch nie wurde mir ein Match kurz vor dem Abpfiff abgesagt und als Trostpflaster ein Nebenplatz angeboten.“

Regen, kalte und ein schlag ins gesicht

Miami, Freitagnachmittag. Starkregen hatte den Spielplan zerfetzt. Das Organisationsteam entschied, die Tages-session vorzuverlegen und Sabalenka auf Außenplatz 2 umzusatteln – ohne Vorwarnung. Temperatur: 16 Grad. Wind: 18 km/h. „Ich habe mit Schauer aufgewärmt“, erinnert sich die Weißrussin. „Dann stand ich plötzlich vor 400 Leuten, die mit Ground-Pass hereingekommen sind und mich mit Selfie-Wünschen bombardiert haben. Nett, aber das ist nicht die Bühne, die die Nummer eins verdient.“

Die Folge: Sabalenka brauchte einen Satz, um die kalten Bälle zu lesen. Li nutzte die Unsicherheit, führte 4:2, verlor aber trotzdem den Tiebreak. Im zweiten Durchgang zog Sabalenaga den Riegel früher, servierte beim 5:4 einen Love-Game-Aufschlag. Statistik: 11 Winner, 29 unforced errors – für ihre Verhältnisse ein schwaches Blatt.

Tv-logik vor sport-logik

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Hinter verschlossenen Türen brodelte es schon länger. Der Sender verlangte Alcaraz in der Prime-Time-Slot. Sabalenka? „Frauentennis zieht keine Quote“, sagt ein Insider des ATP-WTA-Doppelturniers. „Da wird schnell mal eine Fünf-Satz-Herrenpartie wichtiger als die Weltranglistenerste.“ Sabalenka kontert mit einem Seitenhieb: „Nächstes Mal spiele ich vielleicht erst um Mitternacht. Hauptsache, die Jungs bleiben trocken.“

Kurios: Genau vor einem Jahr wurde in Miami bereits Emma Raducanus Match vorverlegt, um Platz für einen männlichen Headliner zu machen. Die Traditions-Diskriminierung ist offensichtlich, doch die Spielerin will nicht in die Opferrolle rutschen. „Ich will kein Mitleid, ich will Respekt“, sagt sie. „Und einen Plan B, der vorher kommuniziert wird.“

Panini, ticketpreise und ein klares statement

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Die Turnierleitung schweigt bislang zu dem Vorfall. Stattdessen wirbt die offizielle App für ein „Panini-Album-Special“: 80 Euro für Sammelbilder inklusive Tageskarte. Sabalenka lacht schlagartig: „Vielleicht tausche ich mein Foto gegen eine Zentralplatz-Garantie.“

Die Nummer eins bleibt konkret: „Ich liebe Miami, aber wenn sich nichts ändert, muss ich überlegen, ob ich 2025 wiederkomme.“ Das Sunshine-Double nach Indian Wells ist noch möglich. Im Achtelfinale wartet Catherine McNally, wieder auf Court 2 – diesmal aber mit Ankündigung. Sabalenka grinst: „Ich nehme Handschuhe und Heizdecke mit. Und vielleicht ein paar zusätzliche Fans, die mich auch auf Nebenplätzen laut machen.“

Fakt ist: Wer die beste Spielerin der Welt abschiebt, muss mit Echo rechnen. Sabalenka hat geliefert – und liefert sich jetzt ein offensichtliches Duell mit dem Turnierdirektor. Punkt. Satz. Und vielleicht auch Match für die Zukunft ihrer Startgenehmigung in Miami.