Sabalenka fordert fünf sätze: „ja, lasst uns das machen!“
Aryna Sabalenka schlägt mit ihrer Antwort schneller zu als mit ihrem Return. Auf die Frage, ob Frauen in den Grand-Slam-Viertelfinals künftig Best-of-five spielen sollten, brüllt die Weltnummer eins durch die Pressezone von Indian Wells: „Ja, lasst uns das machen!“
Die kraftfrage: wer soll das durchhalten?
Sabalenka lacht, als sie ihre Bizeps unter dem Nike-Shirt anspannt. „Ich hätte wahrscheinlich schon mehr Grand Slams, wenn wir fünf Sätze gespielt hätten. Körperlich bin ich bereit.“ Die 27-Jährige zählt auf, was sie stemmt: 110 Kilo Kreuzheben, 60 Liegestütze am Stück, zwei Stunden Schlagtraining bei 38 Grad. Die Zahlen wirken wie ein Handschuh, den sie den Gegnerinnen ins Gesicht schlägt.
Dahinter steckt mehr als Muskelspiel. Craig Tiley, scheidender Australian-Open-Chef und designierter US-Tennis-Boss, hatte die Diskussion entfacht. Sein Argument: Längere Matches verlängern die Aufmerksamkeit. Seine Quelle: interne TV-Daten, die angeblich eine 23-prozentige Zuschauersteigerung ab Viertelfinale versprechen, sobald Frauen fünf Sätze spielen. Sabalenka kauft die These sofort. „Warum sollten wir kürzer spielen als die Männer, wenn wir dieselben Preisgelder kassieren?“

Swiatek warnt vor „merkwürdigem rückschritt“
Iga Swiatek verdreht die Augen. „Wir leben in einer Welt, die immer schneller will. Fünf Sätze wären ein merkwürdiger Rückschritt.“ Die Polin spricht von Kalender-Chaos, von Erschöpfungsverletzungen, von Qualität, die über drei Stunden nicht mehr garantiert sei. Coco Gauff schaltet sich ein: „Fair wäre nur, wenn alle Runden Best-of-five wären. Aber dann bräuchten wir fünf Wochen statt zwei für ein Slam.“ Jessica Pegula rechnet vor: „Wir hätten 30 Turniere weniger im Jahr oder würden bis Weihnachten auf Hartplatz reisen.“
Die Fronten sind klar. Sabalenka und ihre Punchline-Tennis-Fraktion gegen das Lager der Ausdauer-Skeptiker. In der WTA-Lounge kursiert ein internes Papier: Demnach hätte Sabalenka bei den letzten drei French Opens in einem hypothetischen fünften Satz mit 80-prozentiger Wahrscheinlichkeit gewonnen. Die Statistik nennt sie „Sabalenka-Satz“. Sie selbst lacht schon wieder. „Gebt mir drei Stunden, ich gebe euch einen Pokal.“
Der Vorstand stimmt im Juni. Bis dahin dürfte Sabalenka in Wimbledon und Paris weitere Munition geliefert haben. Wenn sie dann mit verschwitzten Haaren und grünen Sandkörnern an den Socken vor die Mikrofone tritt, wird ihre Antwort dieselbe sein: „Wer körperlich nicht kann, soll zusehen.“
