Rwe schraubt sich auf platz drei: koschinats sieg-maschine nagt sich durch die 3. liga

Zum ersten Mal in dieser Saison steht Rot-Weiss Essen auf dem Treppchen der 3. Liga. 52 Punkte, drei Siege am Stück, ein 4:2 gegen Erzgebirge Aue – die Zahlen lügen nicht. Doch hinter den Toren und Jubelgesten schimmert ein anderes Bild durch: Kein einziger Sieg war ein Spaziergang, kein Gegner kippte schon zur Pause. Uwe Koschinat lacht nicht. Er atmet durch.

Koschinat zieht bilanz: «schwere siege halten uns auf dem teppich»

Die erste Hälfte gegen Aue war ein Lehrbuch der Offensive. Drei Tore, drei unterschiedliche Torschützen, ein Gegner, der sich kaum wehrt. Kurz vor dem Seitenwechsel fiel der Anschlusstreffer. Nach der Pause das Gleiche: Essen dominiert, Aue kommt ran. 82. Minute, 4:2, endlich Ruhe. «Das ist kein Zufall mehr», sagt Koschinat, «das ist unser Gesicht.»

Der 54-Jährige spricht von einem «Entwicklungsprozess», der gerade in den engen Spielen Früchte trägt. Die Mannschaft lernt, mit Druck umzugehen, mit Rückschlägen, mit dem Gefühl, dass drei Tore Vorsprung nie reichen. «Wenn wir leicht gewinnen würden, würden wir leicht träumen», sagt er. Die Schwere sei ein Geschenk. Die Tabelle bestätigt ihn.

Dabrowskis erbe lebt – und das irritiert sogar den coach

Dabrowskis erbe lebt – und das irritiert sogar den coach

Ein Name fällt in der Pressekonferenz: Christoph Dabrowski. Der Ex-Trainer, im Winter 2023 entlassen, sitzt jetzt auf der gegnerischen Bank. Koschinat nennt ihn «Mitarchitekt». Ohne das Fundament, das Dabrowski in der Vorbereitung gelegt habe, wäre der aktuelle Lauf nicht möglich. Ein Satz, der selbst den Chefcoach stutzen lässt. «So ist Fußball», sagt er, «manchmal hilft dir der, den du zuvor beerbt hast.»

Die Ironie: Dabrowski muss mit Aue bangen, während sein ehemaliger Klub aufstiegsreif durch die Gegend düst. Die Trennung war damals hart, heute wirkt sie wie ein Taktikstreich des Schicksals.

Neun finals stehen an – und keiner wird ein selbstläufer

Neun finals stehen an – und keiner wird ein selbstläufer

MSV Duisburg, Energie Cottbus, SC Verl – das klingt nach Nordderbys, nach Hitze, nach Endspielen. Dazwischen: Spiele gegen Abstiegskandidaten. Koschinat zuckt mit den Schultern. «Gegen die Kellerkinder wird es genauso schwer wie gegen die Topteams.» Die Tabelle lügt nie, aber sie tröstet auch nicht.

Die Fans von der Hafenstraße spüren die Spannung. 2007 war RWE zuletzt zweitklassig, danach folgten Jahre in der Regionalliga, fast im Vergessen. Nun sind sie 90 Minuten von der Relegation entfernt, neun Mal. «Wir sind nicht da, um Geschichte zu wiederholen», sagt Koschinat, «wir wollen sie neu schreiben.»

Die nächste Woche bringt das Auswärtsspiel in Verl. Ein Ort, der für Essen schon mal ein Stolperstein war. Die Mannschaft reist mit dem Selbstverständnis eines Spitzenklubs – und dem Wissen, dass die Schwere keine Last, sondern Treibstoff ist. Koschinat wird wieder atmen, wieder nörgeln, wieder siegen. So läuft seine Maschine. Ohne Schnickschnack, dafür mit 52 Punkten auf dem Konto und dem Traum, endlich wieder zweitklassig zu sein.