Ruud krol: vom 'taktik-hasser' zum napoletanischen idol
Napoli – Der Name Ruud Krol ist in Italien untrennbar mit demFußball der 1980er Jahre verbunden, einer Zeit, in der die Stadt am Vesuv eine goldene Ära erlebte. Doch der Weg des niederländischen Verteidigers zum napoletanischen Helden war alles andere als geradlinig. In einem exklusiven Gespräch blickt Krol, mittlerweile 77 Jahre alt, zurück auf seine Karriere, seine prägenden Begegnungen und die einzigartige Verbindung, die er zu der Stadt am Meer aufgebaut hat.
Die 'fiori'-geschichte: sprachbarrieren und fischer von mergellina
Krols Ankunft in Italien war von Missverständnissen geprägt. „In meinen ersten Spielen in Italien versuchte ich, die Abseitslinie hoch zu halten, indem ich immer wieder 'Fiori, fiori!' rief. Niemand verstand mich“, erinnert sich der ehemalige Verteidiger lachend. Doch nicht nur die Sprache bereitete anfängliche Schwierigkeiten. Die kulturelle Vielfalt und die Herzlichkeit der Menschen überwältigten ihn. Besonders die Begegnung mit den Fischern von Mergellina hinterließ einen bleibenden Eindruck: „Ich ging eines Morgens am Lungomare spazieren und wurde von einer Gruppe Fischern entdeckt. Sie umarmten mich, es roch stark nach Fisch – eine Erfahrung, die ich so nicht gewohnt war. Diese Wärme war einfach unglaublich.“

Cruijff: mehr als nur ein trainer, ein denker
Neben den Anekdoten aus seiner Zeit in Neapel schaut Krol auch auf seine prägende Zusammenarbeit mit Johan Cruijff zurück. „Cruijff war außergewöhnlich. Er machte dich zu einem besseren Spieler. Er war nicht nur ein Trainer, sondern auch ein Denker, der den Fußball wie niemand anderes lesen konnte.“ Krol betont die intellektuelle Auseinandersetzung mit Cruijff und die stundenlangen Übungseinheiten, bei denen er an seinem schwachen linken Fuß arbeitete.

Von vancouver nach neapel: ein langer weg voller träume
Die Verpflichtung durch Napoli war das Ergebnis eines langen und beschwerlichen Weges. Nach 12 Jahren beim Ajax Amsterdam und einer Zwischenstation in Vancouver, Kanada, sehnte sich Krol nach neuen Herausforderungen. „Ich wollte etwas anderes erleben. Kanada hat mir gefallen, aber ich wusste, dass ich bald nach Europa zurückkehren würde.“ Antonio Juliano, der damalige Geschäftsführer von Napoli, ließ lange nicht locker und überzeugte Krol schließlich, nach Neapel zu wechseln. Der Umzug gestaltete sich schwierig: „Ich lebte zunächst in einem Hotel, dem Excelsior. Es dauerte vier Monate, bis ich eine Wohnung in Posillipo gefunden hatte.“

Napoli heute: verletzungspech, aber eine starke mentalität
Auch wenn die aktuelle Saison für Napoli von Verletzungspech geprägt war, zeigt das Team laut Krol eine beeindruckende Mentalität. „Sie haben sich trotz allem nicht unter Wert verkauft und waren lange Zeit in den Top 4 der Serie A. Das zeigt, wie stark sie sind.“ Krol verfolgt die Entwicklung des Vereins weiterhin aufmerksam und äußert sich positiv über einige niederländische Spieler in der Liga: „Malen gefällt mir sehr, er spielt jetzt zentral und überrascht positiv. Auch De Roon ist ein intelligenter Spieler. Und Dumfries ist ein echter Kämpfer, der seine Form wiederfindet.“
Am Ende bleibt die Erinnerung an eine Zeit, in der Ruud Krol nicht nur ein herausragender Fußballer, sondern auch ein Teil der napoletanischen Identität wurde – ein Niederländer, der mehr und mehr zum Neapolitaner wurde.
