Ruggeris freunde erzählen: so lebt der atleti-held vor dem finale

Matteo Ruggeri schläft heute nicht in Madrid. Er schläft in Sevilla – und seine Kindheitsfreunde laufen schon mittag durch die Gassen, als wären sie die eigentlichen Stars. Kevin, Niccoló und Giorgio sitzen unter einem Sonnenschirm an der Kathedrale, bestellen vier Cortados und erklären, warum ihr Kumpel heute Abend den linken Flügel der La Cartuja beherrschen wird.

„Wenn er trifft, springen wir in den guadalquivir“

Die Wette steht: Tor plus Titel bedeutet nachtschwimmen im Fluss. Die Jungs lachen, aber ihre Augen sind nervös. Sie kennen Ruggeri seit dem Sandkasten in Cologno al Serio, fünf Kilometer von dessen Elternhaus. „Er war schon als Bambino der Einzige, der nach dem Training noch 200 Flanken schlug, weil die Flugkurve nicht stimmte“, sagt Kevin. Die Geschichte klingt nach Klischee, bis er das Handy zückt: Video vom Europa-Under-21-Turnier, Ruggeri feiert das 2:1 gegen Frankreich – und ruft erstmal nach Hause, weil Papa die TV-Karte vergessen hatte.

Der Wechsel zu Atlético war kein Fax, sondern eine Sommer-WhatsApp-Kette. „Wir lagen in Ibiza auf dem Paddleboard, da kam die Stimme: ‚Jungs, es ist offiziell.‘ Matteo hat geheult, Salzwasser und Freudentränen vermischt“, erzählt Niccoló. Seitdem hat sich der Außenverteidiger in die Startelf von Diego Simeone gespielt. Linksverteidiger war ein Problemfach – jetzt ist es Ruggeris Privattheater.

Spanisch-italienischer crashkurs vor dem finale

Spanisch-italienischer crashkurs vor dem finale

Die Gruppe stapft Richtung Giralda, misst sich mit der Hitze. In den Seitengassen ertönen Gesänge von Atlético-Fans, aber auch von Interisten, die spontan umgeleitet wurden. „Warum tragen hier alle blau-schwarz?“, wundert sich Giorgio. Er meint die Farbe der Tickets, nicht der Trikots. Sevilla verwandelt sich in ein endlosschwingendes Fußballfieber, und die Italiener sind mitten drin – mit einem selbstgebastelten Schild: „Forza Matteo, dagli alla palla come ai tempi della scuola.“

Sie wissen, dass Ruggeri heute nicht nur seinen Club, sondern auch ein ganzes Dorf in der Lombardei vertritt. 3.400 Einwohner, eine Fußballschule, ein Platz mit kaputten Toren – und jetzt ein Finale. „Wenn er den Pokal hebt, schicken wir ihm live ein Foto vom Guadalquivir, nass bis zur Haut“, sagt Kevin. Die Sonne brennt, die Uhr tickt. In acht Stunden wird gespielt, in neun Stunden wissen sie, ob sie baden gehen oder nur träumen.