Rücktritt nach wm-debakel: gravina wirft hin – italien sucht einen neuen retter
72 Jahre alt, vier Sterne auf der Brust, aber keine WM-Tickets in der Tasche: Gabriele Gravina ist weg. Der Präsident des italienischen Fußballverbands hat am Montagabend in Rom seinen Rücktritt erklärt – und lässt den vierfachen Weltmeister ohne Führung zurück.
Die Nachricht kam nicht überraschend, aber sie traf trotzdem. Wenige Stunden nach dem Gespräch mit den Liga-Bossen und Vertretern der Spieler- und Trainergremien stand fest: Wer die „Azzurri“ nicht zur WM führt, darf auch nicht mehr im Verbandschefsessel sitzen. Gravina zog die Konsequenz, bevor ihn jemand ziehen ließ.
22. Juni wird zum schicksalstag des calcio
Die FIGC kündigte sofort den Fahrplan an: In genau 37 Tagen wählen 268 Delegierte in Rom einen Nachfolger. Bis dahin verwaltet eine kommissarische Leitung den Laden – ein Vakuum, das die Klubchefs der Serie A fürchten. Denn wer jetzt den neuen Präsidenten sucht, sucht auch den Architekten für ein ganzes System.
Die Kandidatenliste ist offen, die Anforderungen kristallklar: Der künftige Verbandschef muss die Nationalmannschaft wieder in die Weltspitze führen, die Jugendakademien modernisieren und die Schulden der Amateurklubs stopfen. Kurz: Er muss Trainer, Finanzjongleur und Seelenklempner in einem sein.
Intern kursieren bereits Namen: Dembele-Berater Federico Pastorello, Ex-Referee Pierluigi Collina und sogar Chelsea-Boss Marina Granovskaia sollen auf internen Shortlists stehen. Keiner bestätigt, jeder dementiert – typisch italienisch.

Die wunde sitzt tiefer als ein turnier-aus
Italiens Fußball leidet nicht nur an einem verpassten Turnier. Er leidet an einem Strukturproblem. Seit 2006 hat kein italienischer Klub mehr die Champions League gewonnen, seit 2010 schafft die Nazionale nur noch jedes zweite große Turnier. Die TV-Einnahmen sinken, die Stadien verrotten, die Zuschauer werden älter.
Gravinas Rücktritt markiert deshalb nicht nur den Endpunkt einer Ära, sondern auch den Start einer offenen Frage: Wie baut man ein Land wieder zum Weltmeister um, das sich selbst als „Fußballnation“ bezeichnet, aber seit Jahren nur noch von der Vergangenheit lebt?
Die Antwort wird am 22. Juni fallen – vorausgesetzt, die Delegierten finden jemanden, der bereit ist, das zerklüftete Königreich Calcio neu zu erfinden. Bis dahin herrscht ein Vakuum, das lauter ist als jede Curva-Gesänge.
