Rosemarie ackermann: die ddr-hochsprunglegende und ihr kleiner trick

Vor 74 Jahren erblickte Rosemarie Ackermann das Licht der Welt – eine Athletin, deren Name untrennbar mit einer der spektakulärsten Leistungen der Leichtathletik verbunden ist: dem ersten Zwei-Meter-Sprung einer Frau. Doch hinter dem historischen Moment verbirgt sich eine überraschende Anekdote, die nun wieder für Gesprächsstoff sorgt.

Ein falsches geburtsdatum für einen traum

Die gebürtige Lausitzerin, die am 4. April ihren 74. Geburtstag feiert, gestand einst dem SID, dass ihre Karriere einen etwas unkonventionellen Start hatte. „Ich war in Wirklichkeit nur 1,735 Meter groß, aber ich habe damals 1,75 Meter angegeben, weil das die Mindestgröße für die Hochsprung-Karriere in der DDR war“, offenbarte Ackermann. Ein kleiner Trick, der jedoch den Grundstein für eine außergewöhnliche Karriere legte.

Es war der 26. August 1977, als Ackermann im West-Berliner Olympiastadion Geschichte schrieb. Vor einem staunenden Publikum überwand sie als erste Frau weltweit die magische Zwei-Meter-Marke. „Es war mucksmäuschenstill“, erinnert sich Ackermann an den Moment, der ihr Leben für immer veränderte. Die Hände vor dem Gesicht, Tränen, die nicht mehr zurückgehalten werden konnten – ein Bild, das in die Annalen des Sports einging.

Das Ereignis entsprach keineswegs einem geplanten Rekordversuch. Ackermann war lediglich mit einer kleinen Gruppe DDR-Athleten aus dem Trainingslager in Kienbaum in die geteilte Stadt gereist, um sich auf den bevorstehenden Weltcup vorzubereiten. „Ich stellte bei 1,97 meinen Weltrekord ein und habe mir dann gesagt, jetzt muss du auch mal die zwei Meter probieren“, schildert sie die spontane Entscheidung.

Mehr als nur zwei meter: eine ära der tradition

Mehr als nur zwei meter: eine ära der tradition

Ackermanns Leistung war mehr als nur ein Hochsprungrekord. Sie verkörperte eine ganze Generation von Athleten, die ihrer Technik treu blieben. Während die Konkurrenz längst auf den Fosbury-Flop umgestiegen war, behielt Ackermann ihrem „Wälzer“ den Vorzug. „Den Flop habe ich damals auch probiert. Ich schaffte 1,82 Meter. Aber eine Umstellung wäre zu schwierig gewesen“, erklärte sie.

Die sportliche Sternstunde brachte ihr 1.500 DDR-Mark an Rekordprämie und die Titel „DDR-Sportlerin des Jahres“ sowie „Weltsportlerin 1977″ ein. Allerdings durfte sie aus politischen Gründen die vom Veranstalter angebotenen 10.000 D-Mark nicht annehmen. „Behalten durfte ich lediglich eine Brosche, die es bei der Siegerehrung gab.“

Trotz des Ruhms hatte Ackermann immer wieder damit zu kämpfen, dass ihr Zwei-Meter-Sprung andere Erfolge in den Schatten stellte. Sie gewann insgesamt vier EM-Titel (dreimal Halle, einmal Freiluft) und Gold bei Olympia 1976 in Montréal. Die Erkenntnis, dass ihr Name in den Unterlagen des DDR-Staatsdopings auftauchte, trübte nach der Wende den Blick auf ihre Leistungen. Sie betonte stets, „dass ich nie wissentlich gedopt habe“.

Heute, im hohen Alter, blickt Rosemarie Ackermann auf eine bewegte Karriere zurück. Nach ihrer Zeit als Binnenhandelsökonomin und Sachbearbeiterin bei der Arbeitsagentur in Cottbus genießt sie ihren Ruhestand. Doch der Zwei-Meter-Sprung bleibt ein unvergesslicher Moment – ein Zeugnis für Talent, Entschlossenheit und einen kleinen, aber entscheidenden Trick.