Ronaldo bleibt stumm, kolumbien lacht: spaniens albtraum nimmt gestalt an

Null Tore, pure Dramatik. Die Nacht in Miami endet mit einem Seufzer, aber dem wütenden Knirschen spanischer Zähne in Toronto. Portugal patzt, Kolumbien grinst – und Spanien steht schon am Donnerstag vor dem Duell, das niemand auf dem Zettel hatte.

Der klingelnde leerlauf im finish

64.478 Zuschauer, drei Aluminium-Treffer, ein VAR-Ghost-Goal von Davinson Sánchez in der Nachspielzeit und ein Cristiano Ronaldo, der nach 93 Minuten nur noch die Hände in die Höhe streckt – nicht zum Jubel, sondern aus Verzweiflung. Die Null bleibt auf der Anzeigetafel, aber sie trägt das Gesicht des Superstars, der vier Tage nach seinem Doppelpack gegen Usbekistan plötzlich wieder alt aussieht.

Bruno Fernandes trifft den Pfosten, Rúben Neves setzt den Ball über den Kasten, João Félix verzieht aus sieben Metern. Drei Minuten, drei Großchancen, nichts drin. Was folgt, ist ein offener Schlagabtausch, bei dem Kolumbien nur noch auf Konter lauert. Richard Rios und Jhon Arias hätten beinahe den Lucky Punch gelandet, doch Diogo Costa rettet zweimal in höchster Not.

Spanien wartet – und hat noch eine rechnn)ung offen

Spanien wartet – und hat noch eine rechnn)ung offen

Die Rechnung ist einfach: Spanien hat die Gruppe H souverän gewonnen, Portugal wurde nur Zweiter in Gruppe K. Das 0:0 reicht Kolumbien zum Gruppensieg – und schickt die Iberer auf die harte Route. Sechzehntelfinale gegen Kroatien in Toronto, Achtelfinale gegen Spanien, das im Nations-League-Finale 2025 in München noch mit 0:1 unterlag. Luis de la Fuente hat sich das anders vorgestellt, doch die Löwen können jetzt Rache schmecken.

Kolumbien wiederum darf sich über Ghana in Kansas City freuen. Gewinnen „Los Cafeteros“, winkt die Schweiz – und danach vielleicht Lionel Messi mit Argentinien im Viertelfinale. Trainer Néstor Lorenzo lächelt nur, wenn man ihn danach fragt: „Wir wollten Gruppenerster werden, wir sind Gruppenerster.“

Ronaldo und das loch in der statistik

Ronaldo und das loch in der statistik

Die Null steht auch in Ronaldos persönlicher Bilanz. Kein Tor, keine Vorlage, nur einmal den Ball im Netz – und das war der Schiedsrichterpfiff wegen Abseits. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Zum ersten Mal seit 2014 bleibt CR7 in einer WM-Vorrunde ohne eigenen Treffer. Die 39-Jährigkeit wird sichtbar, auch wenn er noch immer jede Lücke sucht, jeden Meter kämpft. Doch die Beine zittern, der Blick wirkt müde. Roberto Martinez wechselt ihn in der 78. Minute aus – und Ronaldo stapft mit hängenden Schultern Richtung Bank.

Am Ende steht Portugal trotzdem im Achtelfinale. „Wir haben die K.o.-Phase erreicht, das ist das Wichtigste“, sagt Martinez. Die Fans wissen es besser: Gegen Kroatien wird es eng, gegen Spanien noch enger. Die Null in Miami könnte die Eins im Achtelfinale kosten. Und wenn es so kommt, war diese Nacht der Anfang vom Ende.