Martínez feiert nullnummer: costa pariert 26 schüsse – portugal lernt in der defensive

Null Punkte, null Tore, aber null Sorge: Roberto Martínez stempelte das 0:0 gegen Kolumbien zum Lehrstück, das Portugal brauchte. Diogo Costa allein wehrte sechs Präzisionsschlüsse ab, während die Kollegen vorne nur zweimal aufs Tor zielten. Die Statistik ist brutal – 26 Chancen, sechs Torschüsse aus dem Spiel heraus –, doch der Trainer sah das Glas halbvoll.

Costa wird zur letzten festung

„Das Spiel war großartig – auch für Kolumbien. Beide Teams wollten gewinnen“, sagte Martínez, der die Partie wie einen Crash-Kurs in Leibesfertigkeit erlebte. Kolumbien schob Portugal aus dessen eigenem Spielfilm und zwang die Europäer, sich dem Gegenstück anzupassen. „Sie erzeugen Duelle, wir wollen Kontrolle. Wir haben die falschen Entscheidungen getroffen, und plötzlich spielten wir auf deren Platte.“

Die Lösung hieß Diogo Costa. Der FC-Porto-Schlussmann war allein im Strafraum eine Wand: Reflex mit der Fußspitze, Faust gegen Borré, Bein gegen Durán – eine Choreografie aus Leid und Adrenaline. „In diesen Momenten wird er essentiell“, lobte Martínez, „und wir sehen, auf welchem Niveau er sich befindet.“

Ballbesitz als illusion

Ballbesitz als illusion

Portugal besaß 61 Prozent der Zeit den Ball, aber es war ein Besitz ohne Biss. Die Selecção fand keinen Weg durch das kolumbianische Mittelfeldpress, das wie eine mobile Mauer wirkte. „Kolumbien verhinderte, dass wir das Spiel dorthin tragen konnten, wo wir stark sind. Dort sind sie am stärksten“, gestand Martínez. Das Ergebnis: zwei harmlose Schüsse, null Big Chances.

Doch der Spanier witterte eine Kehrseite des Glücks: „Solche Spiele schärfen unsere taktische Struktur. Kaum eine Nation kann 90 Minuten so pressen. Das wird uns inR geben.“

Jota als geist im dress

Jota als geist im dress

Am 3. Juli jährt sich der Tod von Diogo Jota – genau einen Tag vor dem Achtelfinale gegen Kroatien. Martínez weigerte sich, in Trauer zu verharren. „Ich nenne es keinen Jahrestag, sondern eine Feier alles dessen, was mit ihm begann. Wir gewannen die Nations League mit ihm, und wir wollen die Copa mit ihm gewinnen“, sagte er mit belegter Stimme. Die Botschaft: Jota lebt im Kollektiv weiter.

Ronaldo, messi und die kindlichen vergleiche

Natürlich kam die Frage nach dem ewigen Duell. Martínez schlug sie mit einem einzigen Satz nieder: „Wir vergleichen Spieler nicht – das machen Kinder.“ Cristiano Ronaldo absolvierte bislang alle Minuten, während Lionel Messi bei Argentinien nur stückweise ran durfte. Für Martínez irrelevant. „Professionell sein heißt, sich auf seine eigene Leistung zu konzentrieren.“

Mit fünf Punkten aus drei Spielen zieht Portugal als Zweiter der Gruppe K ins Achtelfinale. Gegen Kroatien will Martínez die Lektionen vom 0:0 umsetzen – und Costa darf sich noch einmal strecken. Die Nullnummer war kein Schicksalsschlag, sondern ein Vorspiel. Die Copa wartet, und Portugal hat noch Geschichte zu schreiben.