Romed baumann stoppt nach 22 jahren – und verpasst das finale ausgerechnet wegen nebel
Der Nebel frisst das letzte Rennen. Statt am Sonntag auf der Kandahar die 388. Weltcup-Abfahrt zu fliegen, packt Romed Baumann die Skistöcke ein. 22 Jahre nach seinem Debüt beendet der Rekord-Mann der Abfahrer seine Karriere – unfreiwillig still, aber mit lautem Echo.
Ein abschied, der sich schon am samstag anbahnte
Am Vortag hatte er die 167. Weltcup-Abfahrt gefahren, mehr als jeder andere Athlet zuvor. Danach fiel der Satz, der alles erklärte: „Ich habe nichts riskiert. Ich traue mir nicht mehr zu, am Limit zu stehen.“ Die Worte klangen wie ein Seismograph: Das Gefühl für Eis und Geschwindigkeit war weg, nur das Protokoll blieb.
Die Zahlen sind schon jetzt Archivgut. 167 Abfahrten, zwei Weltcup-Siege in der Super-Kombination, Silber bei der WM 2021 im Super-G. Doch die Statistik erzählt nur die Hälfte. Baumann war jener Typ, der 2019 den Pass wechselte, aus Österreich nach Deutschland, um im DSV-Dress noch einmal Vollgas zu geben. Er wurde Anführer eines Aufgebots, das mit Klaus, Dressen und Schwaiger kurz für Schlagzeilen sorgte – bis die Jüngeren kamen und die Knie alterten.

Warum er heute trotzdem nicht traurig ist
„Ich hätte gern mein letztes Rennen gefahren, klar“, sagt Baumann am Telefon. „Aber Nebel ist wie ein letzter Warnschuss: Manchmal muss man einfach loslassen, bevor einen die Piste loslässt.“ Der 40-Jährige lacht, das klingt schon nach nächstem Kapitel. Noch diese Woche beginnt er ein Sportmanagement-Studium, parallel steht ein Engagement als Analyst für die ARD an. Statt Selbstgesprächen im Starthaus gibt es bald Kaffee und Kritik am Mikro – und vielleicht endlich Zeit für die Familie.
Die Szene wird ihn vermissen: Die Athleten, die ihm nachtippen, wenn er wieder einmal als Erster die rote Linie berührt. Die Techniker, die seine Kanten nach feinem Whisky benannt haben. Die Fans, die seinen Namen skandieren, seit er 2004 in Kitzbühel als 18-Jähriger durch die Mausefalle raste.
Am Sonntagmittag steigt er den Garmischer Berg hinunter – nicht auf Skiern, sondern in Winterstiefeln. Kein Champagner, keine Blumen. Nur der Nebel, der alles verschluckt, und die Gewissheit, dass kein anderer je wieder 167 Abfahrten bestreiten wird. Die Zahl ist sicher. Die Legende auch.
