Romed baumann legt nach 387 weltcup-rennen den helm ins regal
Romed Baumann ist auf der Kandahar ein letztes Mal durchs Ziel gefahren – 49. Platz, keine Träne, kein Höhenfeuerwerk. Nach 22 Jahren, 387 Weltcup-Starts und zwei Siegen in der Super-Kombination war das der schlichte Schlussstrich unter eine Karriere, die länger dauerte als manche Sportler überhaupt leben.

Der nebel, der das karriere-aus besiegelte
Am Sonntag wollte er noch einmal angreifen, doch der Super-G wurde abgesagt. Der 40-Jährige musste sich mit dem Samstag begnügen – und das reichte. „Ich habe nichts riskiert, ich habe mir nicht zugetraut, dass ich da nochmal draufsteige“, sagte er nach der Abfahrt, als hätte er den Satz schon vor Wochen auswendig gelernt. Die Stimme war ruhig, das Bein zitterte trotzdem.
Baumann wechselte 2019 den Pass, wurde Deutscher, um im Weltcup zu überleben. Mit Thomas Dreßen, Andreas Sander und Josef Ferstl schuf er eine Speed-Fraktion, die den DSV wieder in die Weltspitze schoss. Doch diese Saison reichte seine Startnummer nur zweimal für ein Top-20-Ergebnis. Olympia? Kein Thema mehr. Die Qualifikation verpasste er knapp, die Nervosität der vergangenen Wochen schrieb sich in die Linien seines Gesichts.
Die 167. Weltcup-Abfahrt – Rekord. Kein anderer fuhr häufiger ins Tal. Doch Rekorde zählen am Ende nur in der Statistik, nicht im Knie. Baumann spürte, wie das Limit näher rückte als das Ziel. „Ich habe nicht mehr die Kraft, jeden Meter zu zwingen“, sagte er, während um ihn herum die Techniker schon die Kanten der nächsten Saison schliffen.
Sein größter Tag blieb die WM 2021: Silber im Super-G. Ein Foto hängt im Skiclub Sölden: Baumann, lächelnd, die Silbermedaille im Schnee. Früher war er der Krieger mit der Startnummer 27, später mit der 71. Die Nummer wechselte, der Blick blieb scharf. Nun trägt er keine mehr.
Die Karriere endet, wie sie begann: mit einem Training vor Sonnenaufgang, mit Schnee im Kragen und dem Geräusch von Stahl auf Eis. Nur dass diesmal niemand nach dem nächsten Rennen fragt. Romed Baumann zieht die Skistiefel aus, schließt die Bindung – und geht. Ohne Fanfare, aber mit dem Wissen, dass 387 Rennen genug sind, um ein Leben zu füllen.
