Röiseland zurück im weltcup: „nach vier tagen war ich wieder auf den beinen“
Vier Tage nach der Operation sitzt Sverre Olsbu Röiseland schon wieder auf der Trainerbank. Der Co-Trainer der deutschen Biathlon-Frauen spricht offen über Hodenkrebs – und warnt alle Männer: „Wenn etwas komisch ist, geh zum Arzt.“
Die diagnose kam direkt nach olympia
Die Spiele von Mailand sind kaum vorbei, da spürt Röiseland einen Stich. „Ich hatte während der gesamten Olympischen Spiele Symptome“, sagt er im Interview mit der norwegischen Zeitung „Verdens Gang“. Zurück in Norwegen lässt er sich durchchecken – und erhält den Befund: Tumor im Hoden. Die nächste Frage heizt ihm ein: Hat sich der Krebs schon ausgebreitet? „Das Wort Krebs ist definitiv nichts Schönes“, sagt er. Die Entwarnung folgt 48 Stunden später: keine Metastasen. „Das war mental ein Wendepunkt – pure Erleichterung.“
Am Montag wird er operiert, am Freitag steht er schon wieder in Otepää. 1.800 km Flug, Minusgrade, Schneegestöber – und er lächelt. „Es ist gut, wieder hier zu sein“, sagt er der Sportschau. Die Athletinnen bemerken, dass er ein paar Kilo abgebaut hat, aber die Stimme ist dieselbe: klar, ruhig, norwegisch.

Deutsches team profitiert von seiner offenheit
Kristian Mehringer, sein deutscher Co-Trainer, hatte angeboten, die Rennen alleine zu leiten. Röiseland lehnte ab. „Ich brauche das Team, genau wie das Team mich braucht.“ Die Gespräche im Lager kreisen nun weniger um Windverhältnisse und mehr um Vorsorge. „Plötzlich erzählen mir die Mädels, dass ihre Brüder und Freunde jetzt zum Arzt gehen. Das ist mehr wert als jeder Sieg.“
Die Deutsche Skiföderation bestätigt, dass Röiseland seine Vertragszeit bis 2027 verlängert hat. „Wir stehen hinter ihm, egal wie der Winter endet“, sagt Sportdirektor Felix Bitterling. „Mentale Stärke sieht man nicht nur auf der Schiene, sondern auch neben der Strecke.“
Am Samstag folgt der Sprint der Frauen. Röiseland wird wieder in der Coaching-Zone stehen, Stopwatch in der Hand, Thermoskanne mit kaltem Kaffee. „Ich bin nicht heiliger, aber ich bin wieder da – und das ist schon ein kleines Wunder.“
