Rocchi-abhörskandal: inter-schiedsrichter-boss landet im fokus der mailänder staatsanwaltschaft

Ein einziger Anruf aus dem April 2025 bringt jetzt den italienischen Schiedsrichter-Zirkus zum Beben. Gianluca Rocchi, früher FIFA-Elite-Official, telefoniert während des Coppa-Italia-Halbfinals im San Siro, spricht über «wünschenswerte» und «unerwünschte» Pfeifer – und erwähnt dabei ausgerechnet Giorgio Schenone, Inter Mailands ständigen Schiedsrichter-Beauftragten. Die Folge: Ermittler in Mailand fragen sich, ob da jemand den Zufall regiert.

Die szene, die alles auslöste

2. April, 20:42 Uhr, Tribüne 14. Rocchi steht neben der Seitenauslinie, das Handy am Ohr. Laut Protokoll spricht er mit «einem Insider des Schiedsrichter-Wesens». Das Gespräch wird seit Oktober 2024 abgehört; die Justiz sucht nach Hinweisen auf manipulierte Ansetzungen. Jetzt wird klar, warum die Ermittler zwei konkrete Begegnungen unter die Lupe nehmen: Bologna – Inter (Schiedsrichter: Colombo) und das Derby Inter – Milan (Doveri pfeift). Rocchi soll gesagt haben, der Klub sehe Colombo «positiv», Doveri hingegen «negativ». Die Worte stammen nicht direkt aus dem Mitschnitt – sie fließen in die Rekonstruktion der Staatsanwaltschaft –, aber sie reichen, um ein brisantes Muster zu zeichnen.

Schenone, seit 2020 Club-Referee-Manager der Nerazzurri, ist nicht beschuldigt. Dennoch steckt sein Name in jedem Absatz des neuen Repubblica-Berichts. Seine Aufgabe: Schiedsrichter am Spieltag empfangen, in der Woche mit dem offiziellen Figc-Vermittler Riccardo Pinzani (inzwischen bei Lazio) über fragwürdige Szenen diskutieren. Ein Routinejob, sagen die Vereine. Ein Türöffner, murmeln kritische Beobachter – schließlich kennt Schenone jedes Gesicht, jeden Schritt, jede Schwäche der Unparteiischen.

Warum der fall weit über italien hinausgeht

Warum der fall weit über italien hinausgeht

Die Uefa pocht auf «Zero-Tolerance» gegen jede Form von Einflussnahme. Dass ein ehemaliger Top-Referee wie Rocchi nun selbst ins Fadenkreuz gerät, erschüttert das System. Schiedsrichter sollen laut neuem Leitfaden «frei von jeglichem Klub-Kontakt» agieren – doch genau das wird infrage gestellt. Die italienische Fußball-Föderation Figc droht mit Nachjustierungen: Strengere Trennung zwischen Designatoren und Clubs, zentrale Ansprechpartner statt Club-Manager, ein digitales Anmeldeportal für jede Unterhaltung. Ob das reicht? Die Ermittlungen laufen, weitere Abhörprotokolle sind angefordert.

Inter selbst schweigt offiziell. Hinter den Kulissen heißt es, Schenone habe «nie direkt mit Rocchi telefoniert». Aber die Justiz interessiert sich für indirekte Wege – und für jene Sekunden, in denen eine flüchtige Bemerkung über «wünschenswerte» Pfeifer möglicherweise den Saisonverlauf lenkte. Die nächsten Wochen werden zeigen, ob bloß heiße Luft oder ein Netzwerk von Gefälligkeiten ans Licht kommt. Für den italienischen Rasen ist eines schon jetzt sicher: Der Ruf der Unbestechlichkeit bekommt einen weiteren Kratzer – und diesmal sitzt der Schmutz nicht nur an den Stiefeln, sondern an den Ohren derer, die einst für Fairness standen.