Rocchi zieht nachspielzeit-karte: var soll öfter eingreifen – fans fordern reform
Mailand – Acht Jahre nach der Einführung des Videobeweises in der Serie A schlägt der Designationschef Gianluca Rocchi den nächsten Paradigmenwechsel vor: Der VAR soll künftig noch öfter eingreifen – und das ist kein Zufall, sondern offizielle Anweisung aus dem Referee-Komitee.
Rocchi trat in der DAZN-Sendung „Open Var“ auf und bestätigte, dass die neuen Regel-Updates genau in diese Richtung zielen. „Wenn du dir die kommenden Novellierungen ansiehst, läuft alles darauf hinaus, dass der VAR in bestimmten Situationen ein Stückchen häufiger aktiv wird“, sagte der 49-Jährige. Die Begründung: Fernsehzuschauer akzeptieren längst keine „nicht eingreifbaren“ Fehlentscheidungen mehr – sie wollen Gerechtigkeit in Echtzeit.
Warum jetzt? die fan-angst vor der „grauzone“
Die Fronten sind klar. Rocchi: „Die Leute daheim erwarten nicht, dass ich ihnen erkläre: ‚Schaut, das war ein klarer Elfmeter, aber der VAR durfte nicht eingreifen.‘ Das funktioniert vielleicht ein einziges Mal, weil die Szene extrem grenzwertig war. Danach ist Schluss.“ Wer nach acht Jahren VAR noch dieselben Ausreden höre, beginne zu zweifeln – und genau diesen Zweifel will die Liga ausmerzen.
Beispiel Samstag: In Milan-Parma stand Trilo nach Abseits-Ruf am Fünfer bereit, der Treffer wurde zunächst annulliert – dann via On-Field-Review anerkannt. Rocchi verteidigte die Korrektur: „Ein Spieler, der still auf der Torlinie postiert ist, begeht kein Foul. Das Tor war regulär, lediglich die Kommunikation zwischen Schiedsrichter und VAR war holprig.“

Die drei lehrstunden des 27. spieltags
Parma-Cagliari lieferte die nächste Fallstudie. Valenti blockierte Keeper Caprile beim Corner, Schiri Massimi pfiff sofort Abseits-Foul – Rocchi lobte: „Er hat präventiv erklärt, dass stehende Spieler keine Regelverletzung darstellen. Bewegt sich jemand aber gegen den Torwart, greifen wir ein. Genau das ist passiert.“
In Inter-Genua rückte Calhanoglu nach Foul an Ekuban in die Blickfänge. Rot? Nein, Gelb – und Rocchi unterschreibt: „Kein Parameter für ein klares Torraus-Opfer erfüllt, daher richtige Entscheidung.“
Cremonese-Milan schließlich zeigt, warum Kameras aus 18 Metern Höhe gefordert werden. Pavlovic köpft ein, Handspiel? Die Rückenkamera liefert geteilte Pixel – kein eindeutiger Kontakt, Tor zählt. „Ohne diese Perspektive bleibt der Schiri auf der Grünen Wiese sitzen“, so Rocchi.

Der preis der perfektion
Kurz: Die Serie A will 2024 die letzten weißen Flecken im Regelwerk tilgen. Rocchis Botschaft an die Schiris: „Entscheidet richtig, dann greift der VAR ein – oder er lässt es. Hauptsache, das Ergebnis stimmt.“ Die Fans fordern längst eine Überarbeitung des Protokolls, Cannavaro spricht offen von „Notwendigkeit jetzt sofort“. Rocchi gibt sich gelassen: „Am Ende zählt nur, dass niemand mehr fragt: Wozu haben wir den VAR überhaupt?“
Die Antwort kommt spätestens im Mai, wenn die Tabelle steht und jeder Pixel gezählt wurde. Dann wird klar sein, ob mehr VAR wirklich mehr Gerechtigkeit bedeutet – oder nur längere Nachspielzeiten voller Ego-Duelle vor dem Monitor.
