Riera schläft im camp und denkt nur an st. pauli

Zwei Nächte im Profi-Camp am Stadion, 15 bis 18 Stunden Arbeitstag – und Albert Riera wirkt trotzdem nicht wie jemand, der kurz vor dem Zusammenbruch steht. Eher wie jemand, der genau dort angekommen ist, wo er hinwollte. Während Frankfurt das Frühlingswetter genießt, sitzt der Mallorquiner über Videoanalysen und denkt an den FC St. Pauli. Das ist kein Pflichtgefühl. Das ist sein Lebensmodell.

Was xavi mit eintracht frankfurt zu tun hat

Auf der Pressekonferenz vor dem Auswärtsspiel am Millerntor griff Riera zu einem Beispiel, das auf den ersten Blick überrascht, aber seinen Kern sofort trifft. Xavi Hernández hielt in einem Spiel gegen Getafe den Rekord für den höchsten Ballbesitzanteil eines einzelnen Spielers: 80 Prozent Ballbesitz des Teams – und der Katalane war trotzdem nur rund viereinhalb Minuten am Ball. Riera als früherer Flügelspieler? Nicht mal eine Minute. Die Frage, die er seinen Spielern stellt, ist simpel und brutal zugleich: Was machst du in den anderen 89 Minuten?

Das ist die Philosophie, auf der Riera seine gesamte Arbeit bei Eintracht Frankfurt aufgebaut hat. Nicht das Spiel mit dem Ball. Das Spiel ohne den Ball. Pressing, Reaktion nach Ballverlust, Positionierung – das sind die Bausteine, mit denen er seit Anfang Februar ein Team umgebaut hat, das zuvor aus 13 Spielen nur einen einzigen Sieg geholt hatte.

Kein kaputtes team, aber eine blockierte mannschaft

Kein kaputtes team, aber eine blockierte mannschaft

Riera übernahm nach Dino Toppmöller – und er nutzte die Pressekonferenz, um dem Ex-Coach ohne Aufforderung Respekt zu zollen. Andere Stationen hätten ihm physisch demolierte, taktisch verlorene Teams hinterlassen. In Frankfurt fand er das Gegenteil vor: ein athletisch starkes, taktisch gebildetes Team mit der richtigen Grundeinstellung. Das Problem war mental. Blockaden. Zögern. Zu viel Angst vor dem nächsten Fehler.

Die Lösung war keine taktische Revolution, sondern ein Mentalitätsstoß. Adam Delius, Präsident von Olimpija Ljubljana, hatte Riera bereits Ende Januar als „besten Motivator, den es gibt