Ribéry läuft in u21-form: 18-jähriger karl entzaubert ghana

Lennart Karl kam, sah und läutete mit zwei dribbelnden Pistenbullen das WM-Jahr ein. Die 2:1-Premiere gegen Ghana war gestern nur Nebenschauplatz – der 18-jährige Bayern-Juwel stahl selbst Deniz Undav die Show.

Julian Nagelsmann brauchte nach Abpfiff keine Sekunde, um die Rangfolge seiner Entdeckungen neu zu sortieren: „Von all den jungen Spielern, die wir durchgeschleust haben, hat er mit Abstand den besten Eindruck hinterlassen.“ Die Ansage kommt nicht aus der Mottenkiste des Bundestrainers, sondern aus der Datenbank seiner Videoanalysten: In 23 Minuten erzielte Karl drei Balleroberungen im letzten Drittel – mehr als jeder deutsche Starter.

Warum plötzlich alle vom ribéry 2.0 sprechen

Der Vergleich mit Franck Ribéry war zuerst ein Flüstern auf der Bank, dann ein Brüllen im Mixed Zone-Gewirr. „Ein bisschen Ribéry-mäßig“, sagte Undav und schüttelte den Kopf, als hätte er einen Geist gesehen. „Er spielt mit einer Abgezocktheit, die man sich nicht erarbeitet, sondern ererbt.“ Die Zahl, die Nagelsmann notiert: Karl vertändelte keinen einzigen Ball, obwohl er fast ausschließlich in engste Räume lief.

Was dem Teenager noch fehlt? „Lockerheit abseits des Platzes“, scherzte Undav, „auf dem Rasen ist er längst erwachsen.“ Die Einschätzung kommt nicht von irgendwo: Undav selbst musste bis 26 warten, bis ihn jemand „brutal“ nennt. Karl ist 18 und schon da.

Der tag, an dem die dfb-elf ihren zeitplan über den haufen warf

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Nagelsmann hatte eigentlich einen Lehrgang geplant, keinen Kult. Doch Karl sprengt Pläne. Gegen die Schweiz (4:3) durfte er nach 60 Minuten ran, gegen Ghana bereits nach 67. Die Tendenz ist kein Zufall, sondern ein Beschleunigungsdiagramm. „Wenn er so weitermacht, müssen wir die interne Rangliste neu drucken“, sagte ein Betreuer, der sonst für Temperament sorgt, nicht für Superlative.

Die nächste Station ist Frankfurt: Nations-League-Spiel gegen die Niederlande. Wer dort auf dem Platz steht, weiß Nagelsmann noch nicht. Wer dort stehen wird, hat sich in München schon angekündigt.

Die Message ist längst in den Kader-WhatsApp-Gruppen angekommen: Die Zukunft heißt Lennart Karl. Und sie beginnt nicht irgendwann – sondern jetzt.