Rhinos jagen den pokal: frankfurt wird zur rollstuhlbasketball-festung

Die Rhein River Rhinos rollen mit dem Selbstbewusstsein einer Maschine in den Skywheelers Dome – und mit ihnen der ganze Blick Hessens auf Frankfurt. Am Samstagabend (20 Uhr) treffen sie im RBD-Pokal-Halbfinale auf die Iguanas aus München, ein Gegner, den sie in dieser Saison zweimal abgefertigt haben wie einen Schulaufsatz mit schlechter Note. Doch Trainer Christoph Huber warnt vor der Falle: „München hat zuletzt Hannover, Lahn-Dill und uns enge Spiele geliefert.“ Die 3:0-Siege lügen nicht, aber der Pokal hat seine eigenen Gesetze.

Thuringia bulls warten im falle eines falles

Sollten die Rhinos wie erwartet das Finale erreichen, wartet dort mit den Thuringia Bulls aus Elxleben eine Wand aus Eisen. Die Mannschaft ist in dieser Bundesliga-Saison noch ungeschlagen – eine Statistik, die selbst Bayern München neidisch machen würde. Huber und Co-Trainer Nicola Damiano haben bereits Analysevideos geschnitten wie Bundesliga-Coaches vor einem Champions-League-Duell. „Wir bereiten uns auf alle Szenarien vor“, sagt Huber, aber seine Stimme klingt, als hätte er die Bulls schon im Kopf.

Der Skywheelers Dome in der Franz-Böhm-Schule verwandelt sich an diesem Wochenende in ein Kessel. 500 Zuschauer passen rein, jeder Meter ist vermietet. Die Organisatoren haben eine Show gebaut, die zwischen NBA-Atmosphäre und Dorfderby pendelt: Lichtshow, Durchsagen, ein Mädchen, das die Nationalhymne singt – und dazwischen Athleten, die mit verkanteten Rädern und zerfetzten Handschuhen um jeden Ball kämpfen.

Livestream lockt ein millionenpublikum

Livestream lockt ein millionenpublikum

Der hr überträgt das Finale am Sonntag (15 Uhr) live auf hessenschau.de und in der ARD-Mediathek. Kommentator Heiko Neumann kennt jeden Spieler persönlich, er wird nicht von „Behinderung“ reden, sondern von Pick-and-Roll, Zone-Defense und Dreierquoten. Die Leute daheim erleben kein „Herz schlägt schneller“-Storytelling, sondern Sport in Reinkultur: 24 Sekunden Shot-Clock, Crashs, die sich anhören wie Blech lawinen, und ein Nico Dreimüller, der aus neun Metern trifft, als würde er ein Wurfbein aus Beton haben.

Die Zahnerosion der Gegner ist greifbar: In der Liga kassierten die Iguanas 186 Gegenpunkte pro Spiel, die Rhinos nur 142. Die Bulls wiederum erzielen 89 Punkte Schnitt, die besten Offensive der Liga. Wenn sich diese beiden Kräfte treffen, ist die Mathematik klar – wer zuerst 80 Punkte macht, hat die Nase vorn. Aber der Pokal ist ke Excel-Tabellen-Sport. Er ist ein Ein-Match-Turnier, in dem ein verdrehter Reifen, ein verrutschtes Kissen oder ein Schiedsrichterpfiff alles umkippen kann.

Am Ende steht eine Festung, die sich „Dornbusch“ nennt, aber an diesem Wochenende Mittelpunkt Hessens ist. Die Rhinos wollen nicht nur Pokal, sie wollen ein Statement setzen: Rollstuhlbasketball ist kein Schau-Event, sondern ein Hochgeschwindigkeits-Sport mit Stars, Taktik und Dramatik. Wenn am Sonntag um 16.45 Uhr der Buzzer ertönt, wird sich zeigen, ob Frankfurt dann eine neue Helden-Geschichte schreibt – oder ob die Bulls ihre weiße Weste behalten. Eines ist fix: Wer live dabei ist, vergisst nie wieder, dass Sport keine Beine braucht, nur Herz.