Revolution im radsport: krafttraining wird zur pflicht!
Die Zeiten, in denen Radfahrer ihre Ausdauer allein durch endlose Stunden im Sattel schufen, sind vorbei. Ein Paradigmenwechsel bahnt sich im Profi-Radsport an: krafttraining ist kein Luxus mehr, sondern eine Notwendigkeit, um im hart umkämpften Peloton mithalten zu können. Die Sportschau beleuchtet die neuen Trends und Strategien, die die Trainingsmethoden revolutionieren.
Von der ausdauer zur explosivität: wie sich das training wandelt
Dan Lorang, einst Head Coach bei Bora-hansgrohe, erinnert sich an eine Zeit, in der Krafttraining im Radsport mit Argwohn betrachtet wurde. Die Angst vor zusätzlichem Gewicht und einer Beeinträchtigung der Ausdauer war groß. Doch die Erkenntnis, dass gezieltes Krafttraining die Effizienz der Pedaltritte steigern und Verletzungen vorbeugen kann, hat die Sportwelt umgekrempelt. Heute gehört es zum Standardrepertoire der Top-Teams.
Ein Blick auf Tadej Pogacar verdeutlicht diesen Wandel. Während Klassikerrennen weiterhin eine enorme Ausdauer erfordern, legt der Fokus in der Vorbereitung auf Rundfahrten zunehmend auf Kraft und Explosivität. „Ich denke, ein Tadej Pogacar hat für die Klassikerperiode mehr Krafttraining gemacht als er jetzt für die Tour de France machen wird“, erklärt Lorang.
Auch Coach Jeroen Swart von UAE Team Emirates bestätigt die Bedeutung von Krafttraining. Pogacar & Co. absolvieren in bestimmten Saisonphasen regelmäßig zweimal pro Woche Einheiten im Kraftraum – eine Pflichtaufgabe, um auf die Anforderungen der Saison vorbereitet zu sein.
Doch es geht um mehr als nur Muskelaufbau. Mathieu Heijboer, Coach von Jonas Vingegaard, betont die Bedeutung eines ganzheitlichen Ansatzes: „Krafttraining richtet sich an den ganzen Körper und dient in erster Linie der Vorbeugung von Verletzungen. Zweites Ziel ist, deine Kraftwerte zu verbessern und damit höhere Leistungen zu erbringen.“
Die Vorteile liegen auf der Hand: Ein stabilerer Rumpf ermöglicht einen effizienteren Krafttransfer auf die Pedale, und die Fähigkeit, die aerodynamisch optimale Position länger zu halten, kann beim Zeitfahren entscheidend sein.

Torque-training: der neue turbo für radfahrer
Der neueste Trend im Radsporttraining ist das sogenannte Torque- oder Drehmomenttraining. Dabei werden große Gänge bei geringer Trittfrequenz eingesetzt, um die Kraftausdauer zu verbessern. Während frühere Methoden auf Intervalle von mehreren Minuten bei mittlerem Krafteinsatz setzten, konzentriert sich das hochintensive Torque-Training auf nur sieben bis acht Pedalumdrehungen mit maximaler Kraft.
John Wakefield, neuer Coach von Florian Lipowitz und Remco Evenepoel, erklärt: „Man will Gehirn und Muskeln zu besserer Interaktion bringen.“ Das Ergebnis: eine gesteigerte Explosivität und eine verbesserte neuronale Vernetzung, die zu einer noch effizienteren Nutzung der Muskelkraft führt. Die Zahlen sprechen für sich: Die Top-Fahrer werden nicht nur stärker, sondern auch widerstandsfähiger und können ihre Leistung länger halten.
Die Tour de France 2026 wird zeigen, ob die neuen Trainingsmethoden ihre Wirkung entfalten. Doch eines ist sicher: Der Radsport befindet sich im Wandel, und Krafttraining ist dabei ein unverzichtbarer Bestandteil.
Die neue Generation von Radsportlern ist bereit für die Herausforderungen der Tour de France – gestärkt, explosiv und mit einem neuen Verständnis für die Bedeutung von Kraft und Torque.
