Reto mächler stürmt zum ersten mal auf den thron der schweiz

37 Hundertstel reichen, um eine Karriere zu katapultieren. Reto Mächler fuhr am Samstag im zweiten Slalom-Durchgang die Linie seines Lebens und schnappte sich bei den Schweizer Meisterschaften in einem Rennen, das kein Auge trocken ließ, den ersten nationalen Titel.

Der führung folgt der k.o.-schlag

Der 24-Jährige aus dem Berner Oberland hatte sich nach Lauf eins bereits mit zehn Hundertsteln Luft verschafft. Was dann folgte, glich einer Demonstration: Mächler jagte die Tore herunter, als würde er auf Schienen fahren, und vergrößerte den Vorsprung auf Joel Lütolf auf fast vier Zehntel. Silber für Lütolf, Bronze für Weltcup-Hasardeur Daniel Yule, der 48 Hundertstel zurückblieb. Dahinter klaffte nur ein winziger Spalt: Gino Stucki verpasste das Podest um acht Hundertstel – ein Seufzer ging durchs Ziel.

Der designierte Champion selbst brach nach dem Finish in einem Mix aus Erleichterung und purem Adrenalin zusammen. „Ich wusste, dass die Linie stimmen muss, sonst holt mich Joel noch rein“, sagte Mächler mit belegter Stimme. Die Zahlen lügen nicht: Sein zweiter Lauf war fast drei Zehntel schneller als der erste – ein Statement, das sich selbst erfahrene Slalom-Krieger wie der Vorjahressieger Marc Rochat gefallen lassen mussten. Rochat rutschte auf Rang fünf ab, mehr als eine Sekunde fehlten ihm auf den neuen König.

Frauen-klasse: egloff wiederholt den coup

Frauen-klasse: egloff wiederholt den coup

Während sich bei den Männern die Thronfolge vollzog, herrschte bei den Frauen Kontinuität: Selina Egloff krönte sich erneut zur Schweizer Slalom-Queen. Die 22-Jährige setzte sich souverän durch und ließ der Konkurrenz keine Chance, die Devise hieß: Attackieren, aber nie risikofrei. Ihre Körperspannung in den Steilhängen war ein Lehrbuchbeispiel für moderne Technik.

Die vollständige Top-Ten-Liste der Männer liest sich wie das Who-is-Who des Schweizer Nachwuchses: Leo Monnier, Luc Herrmann, Nils Bircher, Benjamin Berney und Florian Kunz komplettieren das Tableau. Für sie alle gilt: Die Saison ist vorbei, der Kampf um die nächste beginnt sofort – die Skis werden nicht eingemottet, sondern nur umgeschraubt.

Mächler weiß, dass ein Titel keine Garantie für die Zukunft ist. Aber er hat jetzt die Visitenkarte in der Tasche, die ihn in den Weltcup-Kader katapultieren kann. Die Uhr im Ziel zeigte 1:24,00 Minuten. Für ihn begann in dieser Sekunde eine neue Zeit.