Gebet und glaube: pulisic führt die us-nationalmannschaft spirituell an
Im Schatten der bevorstehenden Weltmeisterschaft in den USA hat sich ein überraschender Trend breitgemacht: Die Nationalmannschaft sucht ihren spirituellen Anker im Glauben. Angeführt wird dieser Wandel von keiner geringeren Person als Christian Pulisic, dem Starstürmer des AC Mailand, der plötzlich zur spirituellen Säule des Teams geworden ist.

Von gebeten bis zur bibel: eine neue ära für das usmnt
Was einst als vereinzelte Andeutungen begann, ist mittlerweile zu einem festen Bestandteil des Trainingsalltags geworden. Gebete vor Spielen, Bibelgespräche während der Trainingslager und offene Diskussionen über den Glauben im Kabinentrakt – der christliche Glaube, insbesondere der evangelische, gewinnt innerhalb der US-Nationalmannschaft immer mehr an Bedeutung. Gerade im Hinblick auf die Heim-WM 2026 und die damit verbundenen gesellschaftspolitischen Spannungen ist dieser Trend bemerkenswert.
Der Aufstieg Christian Pulisics zu einer Art spirituellem Anführer ist dabei besonders auffällig. Der Offensivstar spricht offen über seine religiösen Überzeugungen und teilt regelmäßig biblische Zitate in den sozialen Medien. Ein Video aus seiner Zeit in Mailand zeigt ihn, wie er in seinem Zuhause, inmitten von Orchideen, in der Bibel blättert und auf die Frage nach der Uhrzeit mit einem Augenzwinkern antwortet: „It’s Bible Time.“ Das ist die Zeit für die Bibel.
Doch Pulisic ist nicht allein. Auch Weston McKennie, der Mittelfeldspieler von Juventus Turin, präsentiert auf Instagram stolz die Botschaft „All glory to God“ und posiert mit Kreuz-Ohrringen. Chris Richards, Verteidiger von Crystal Palace, berichtet von regelmäßigen Gebetsstunden und Bibelgesprächen mit rund zehn weiteren Teamkollegen. Sogar der Torwart Matt Freese, ein gläubiger Katholik, lernte Pulisic bei einem religiösen Treffen kennen.
Und selbst der argentinische Nationaltrainer Lionel Scaloni scheint von dieser spirituellen Wende erfasst zu sein, denn er trägt fast immer ein Armband eines Heiligen. Eine Anekdote erzählt, dass er 2009, als er den Espanyol trainierte, eine Pilgerfahrt zum Montserrat-Sanktuar unternahm, um um göttlichen Beistand zu bitten – und das Team rettierte sich.
Die englische Zeitung The Guardian beleuchtete das Phänomen und wies auf einen Wandel im Vergleich zu früheren Generationen hin. Während bereits im letzten WM-Kader Spieler wie Walker Zimmerman, Sohn eines protestantischen Pastors, ihre Glaubensüberzeugung offen äußerten, zeichnet sich nun eine größere spirituelle Einheit im Team ab. Selbst Yunus Musah, ein muslimischer Spieler, befolgte während des Ramadan und sogar an Spieltagen die Fastenregeln, während DeAndre Yedlin, ein Buddhist, seine Mitspieler in Meditationen führte.
Obwohl es keine direkte Verbindung zwischen den religiösen Überzeugungen der Spieler und der nationalen Politik gibt, nimmt das Thema im öffentlichen Diskurs der USA zunehmend an Bedeutung zu – nicht zuletzt aufgrund der Förderung religiös-nationalistischer Bewegungen durch die Trump-Administration.
Pulisic, der sich als Sympathisant des amtierenden Präsidenten bezeichnet, musste sich in der jüngsten Vergangenheit mit Kritik auseinandersetzen, nachdem er an der Gold Cup teilnahm. Doch mit seinem ersten Tor seit Januar 2026 im Freundschaftsspiel gegen Senegal, das er zudem mit einem Assist krönte, hat er nun auch seinen Kritikern die Stirn geboten. „Ich hoffe, jetzt hört der Geschwätz auf“, pflichtete er mit einem Augenzwinkern.
Auch wenn Lionel Scaloni Pulisic nicht mehr als Kapitän bezeichnet, bleibt er der Dreh- und Angelpunkt der Mannschaft. Mit der Bibel in der Hand wirkt er eher wie ein Prediger als ein Angreifer – ein Symbol für den spirituellen Wandel, der die US-Nationalmannschaft erfasst hat. Die WM in den USA könnte mehr sein als nur ein Fußballturnier – sie könnte ein Fest des Glaubens werden.
