Rekord-jagd in kalifornien: abdilaahi schmettert baumanns 29 jahre alte bestzeit

26:56,58 Minuten. Die Ziffern leuchten wie ein Feuerwerk über San Juan Capistrano. Mohamed Abdilaahi lacht ins Ziel-Mikrofon, das rote Trikot von Cologne Athletics klatscht nass gegen die Haut – und ein Stück deutscher Leichtathletik-Geschichte ist in 24,95 Sekunden klein gerissen.

Der 27-jährige Kölner riss Dieter Baumanns 10 000-m-Relikt vom 5. April 1997 mit der Präzision eines Kardiologen auseinander. 27:21,53 hieß die Marke, die niemand 28 Jahre lang berühren konnte. Abdilaahi vertändelt sie im warmen Abendwind Kaliforniens wie ein altes Taschentuch.

Der zweite schlag gegen baumann binnen zwölf monaten

Schon im Juli 2025 hatte Abdilaahi dessen 5000-m-Bestzeit geknackt – 12:53,63 Minuten in Monaco. Jetzt folgt die zweite Demontage. „Ich komme langsam in meine Prime“, sagt er, als hätte er nur den Müll runtergebracht. Dabei wissen Insider: Der Mann trainiert seit Januar in Flagstaff, schlaftrunken auf 2100 Meter Höhe, quält sich durch morgendliche Höhenläufe, während seine Konkurrenten noch im Unterhemd Netflix glotzen.

Hinter ihm schob sich der Australier Ky Robinson auf 27:01,02. Dritter wurde Mike Foppen (NL) in 27:08,44. Für Deutschland lief es gleich dreifach: Frederik Ruppert kam als Achter auf 27:24,53 – nur drei Sekunden hinter Baumanns altem Wert. Aaron Bienenfeld wurde 16. in 28:11,23. Lisa Merkel (LAV Stadtwerke Tübingen) erfüllte mit 31:32,25 die EM-Norm; Birmingham im August kann kommen.

Warum dieser rekord mehr ist als eine neue zahl

Warum dieser rekord mehr ist als eine neue zahl

Deutsche Langstreckler galten jahrzehntelang als Wettkampf-Touristen: anreisen, mittendrin statt dabei, wieder ab. Abdilaahi zerreißt dieses Klischee mit jedem Schritt. Sein Trainer Volker Wagner verbannte Tempoläufe unter 2:42 Minuten pro Kilometer, setzte stattdessen Laktattests und „Flying 400s“ – 400-Meter-Intervalle in 62 Sekunden, dazwischen nur 45 Sekunden Gehpause. Die Methode war umstritten, bis sie eben funktionierte.

Der neue Rekord bedeutet auch: Abdilaahi ist nur noch 48 Sekunden von der Weltspitze entfernt. Weltrekord? 26:11,00 – Joshua Cheptegei. Klingt nach viel, ist in der 10 000-m-Welt ein halbes Umdrehen. „Ich will 2027 in Tokio um Medaillen mitlaufen, nicht nur starten“, sagt er. Dabei klingt keine Spur nach PR-Sprech, sondern nach einem Mann, der seine Hausaufgaben schon gemacht hat.

Und Baumann? Der Olympiasieger von 1992 schickte via SID eine knappe SMS: „Endlich. Glückwunsch, Moh!“ Kein Neid, nur Erleichterung. Der Rekord war ein Butterfly auf Asphalt – wunderschön, aber irgendwann muss er weiterfliegen.