Berlin zittert vor piacenza: cev-cup-abenteuer wird zur zerreißprobe

Die Berlin Recycling Volleys haben den CEV Cup als Rettungsanker, doch das erste Halbfinale am Mittwoch (19.30 Uhr) gegen Gas Sales Bluenergy Piacenza droht zur Geduldsprobe zu werden. Kapitän Ruben Schott erinnert sich gern an 2016, als sein Team nach dem Champions-League-Aus noch den Pokal holte – damals war alles leicht, heute ist alles schwer.

Italiens serie-a-maschine wartet in der max-schmeling-halle

Italiens serie-a-maschine wartet in der max-schmeling-halle

Piacenza kommt nicht zufällig als haushoher Favorit. Die Norditaliener mischten in der vergangenen Saison auch in der Champions League mit, und ihr Budget übertrifft das Berliner Plusminus eins zu eins. Geschäftsführer Kaweh Niroomand spricht deshalb vom „härtesten Los, das uns hätte treffen können“. Mit 73 Jahren hat er genug Turniere gesehen, um zu wissen: Wer gegen einen Gegner mit drei Ausländern auf Position 1-3 nicht mindestens 60 % Annahme trifft, fliegt raus.

Die Zahlen sind gnadenlos. In dieser Bundesligasaison kassierte Berlin bereits acht Niederlagen – so viele wie in den beiden Vorjahren zusammen. Der Verlust des DVV-Pokals gegen Aufsteiger SVG Lüneburg nagt noch immer. Und jetzt das: Ein Viertelfinal-Aus in der Champions League, das erste seit zwölf Jahren, hat die Mannschaft in den unterklassigen Wettbewerb verschlagen. Dort soll neuer Glanz entstehen, doch der Weg führt über einen Gegner, der technisch kaum Lücken bietet.

„Wir haben in den letzten Wochen kleine Schritte gemacht“, betont Schott. Kleine Schritte reichen aber nicht, wenn der Gegner mit Tonut und Bottozwei Diagonalangreifer ins Rennen schickt, die allein 47 % der Punkte erzielen. Berlin wird seine Sperre früher aufstellen müssen, sonst wird Piacenzas Schnellangriff über die Außen rollen. Trainer Cedric Enard hat in der Videostunde genau das herausgearbeitet: Die Italiener geben in Ballwechsel eins und drei immer Druck über Position 2, weil ihr Zuspieler Baranowicz die Mittelblocker früh bindet.

Die Stimmung in der Halle wird der zehnte Mann sein – 3.200 Plätze sind restlos ausverkauft. Doch selbst ein Sieg im Hinspiel wäre nur die halbe Miete. Das Rückspiel in einer Woche in Piacenza wird auf 150 Kilometer Entfernung in Parma ausgetragen, weil die eigene Arena bereits für ein Popkonzekt gebucht ist. Berlin muss also zweimal gewinnen, um den Traum vom Triple-Ersatz am Leben zu halten.

„Natürlich haben wir eine Chance“, sagt Niroomand. Die Frage ist nur, wie groß sie ist. Die Antwort liefert die Statistik: In den letzten 15 Duellen deutscher gegen italienische Teams im CEV Cup gingen nur zwei Siege an den Bundesligisten. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 13 %. Für Schott und Co. heißt das: Alles oder nichts. Ein Ausscheiden würde die Sauevier-Saison endgültig zum Desaster machen – und die nächste Trophäe damit mindestens ein Jahr auf sich warten lassen.