Berlin schnappt sich den grand départ: tour de france 2029 kurz vor deutscher heimkehr
Die Grande Nation schickt ihre größte Sportshow zurück nach Deutschland – und Berlin prescht vor. 40 Jahre nach dem Mauerfall rollt die Tour de France 2029 mit höchster Wahrscheinlichkeit durch die Hauptstadt, bevor sie bis zu drei Etappen quer durch den Osten jagt. Thomas Hofmann, Vorsitzender des Bündnisses „Grand Départ Allemagne“, bestätigt dem SID: „Wir sind in sehr guten Gesprächen.“ Die ASO, Macht im Radsport, habe der deutschen Bewerbung „sehr, sehr gute Chancen“ eingeräumt.

Warum der mauerfall zum trumpf wird
Die Initialzündung sollte 2030 erfolgen, vier Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung. Doch die Geschichte eilt: Berlin 2029 passt besser ins emotionale Narrativ. Hofmann spielt offen den Story-Joker aus: „Wir haben die bessere Story.“ Dagegen wirken Slowenien und Prag wie taktische Nebenbuhler. Pogacars Heimspiel wäre spektakulär, aber es fehlt das historische Kino, das die ASO liebt.
Die Zahlen sprechen für Deutschland: viermal startete die Tour schon hier, zuletzt 2017 in Düsseldorf. Köln 1965, Frankfurt 1980, West-Berlin 1987 – jedes Mal quittierte der Globus mit Rekordquoten. Die Formel lautet „3+1“: drei Etappen im Osten, eine große Show in Berlin. Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen – stillgelegte Bergwerke, mittelalterliche Stadtkerne, lange, flache Straßen, perfekt für Fluchtgruppen.
Noch in diesem Halbjahr muss das Bewerbungsdossier bei der ASO landen. Hofmann klingt schon wie der Sieger: „Die Entscheidung ist schon ziemlich klar.“ Wer in Paris nachverhandelt, spielt mit offenen Karten. Berlin hatte 1987 den letzten West-Auftakt, nun kassiert die Stadt den Osten dazu. Die Mauer ist seit 9. November 1989 Geschichte – die Tour wird sie 2029 erneut überfahren, nur diesmal auf Asphalt statt auf Symbolik.
Die Radprofis ahnen nichts, planen bereits Trainingsfahrten durch die Lausitz. Die Fans buchen Hotels in Potsdam und Leipzig. Die Politik schweigt beharrlich, um den Coup nicht zu gefährden. Aber die Karten liegen offen: Wer die Geschichte hat, braucht keine PR-Agentur. Die Tour kehrt heim – nicht nach Frankfurt, nicht nach München, sondern dorthin, wo einst Zollbeamte Passkontrolle spielten. Am 7. Juli 2029 steht Berlin wieder im Gelb der Führungstruppe. Die ASO wird zustimmen, die Stadt wird strahlen, und der Osten bekommt sein größtes Sportevent seit der WM 2006. Die Uhr tickt – und Hofmann lächelt schon.
