Regionalliga-reform spaltet nrw: klubs liefern sich machtkampf mit system

Der Westen rebelliert. Während der DFB auf vier Aufsteiger drängt, zerreißen sich in NRW gerade Traditionsklubs über die Frage, ob künftig der Kompass oder die alten Landkarten gelten sollen. Die Wahl zwischen zwei Plänen zur Neuordnung der Regionalligen spaltet die Lager so tief, dass Peter Frymuth, Präsident des Westdeutschen Fußball-Verbandes, zur Krisensitzung einlädt. Noch ist keine Mehrheit in Sicht.

Das kompass-modell verspricht kurze trips und kalte duelle

Paderborn nach Hamburg, Gütersloh nach Rostock – der Algorithmus des Kompass-Modells wirft westfälische Klubs nach Norden, dafür rollt der Bus von Steinbach Haiger oder Eintracht Trier neu in die Weststaffel. Die Rechnung: weniger Diesel, mehr Derby. Die Sportfreunde Siegen klatschen schon, denn sie würden gegen Kickers Offenbach oder den FSV Frankfurt antreten, statt zum fünften Mal in Folge nach Oberhausen zu fahren. „Innovative Neuerungen“, schwärmt Vorstand Dirk Bernges, „und endlich wieder Publikumsmagneten außerhalb des Ruhrgebiets.“

Doch die Ecke Gütersloh winkt ab. „Unsere Fans wollen keine Nord-Reisen“, giftet Helmut Delker vom FC Gütersloh. Für ihn ist das Kompass-Modell ein „Zerstörer von Strukturen“, weil 30 Jahre Kontakte zu Klubs wie Rödinghausen oder Preußen Münster über Nacht Makulatur wären. Bonner SC-Sportchef Stefan Krämer schüttelt den Kopf: „Beim Kompass gewinnt der Süden, der Nordosten verliert, und wir stehen als Spielball da.“

Regionen-modell gefährdet die einzige liga mit 5.000 zuschauern-schnitt

Regionen-modell gefährdet die einzige liga mit 5.000 zuschauern-schnitt

Wer in Berlin, Brandenburg oder Sachsen-Anhalt lebt, fürchtet den Spaltpilz. Das Regionen-Modell würde die erfolgreichste aller fünf Ligen, die Regionalliga Nordost, in zwei Hälften zerschneiden. „Ein Affront“, donnert NOFV-Chef Hermann Winkler. Denn genau dort liegt das Zuschauer-Monopol: Union-Reserve, BFC Dynamo, Viktoria Berlin – dort kommen regelmäßig über 5.000 Zuschauer, Zahlen, von denen der Westen nur träumt. Die Drohung: Sollte das Modell kommen, zieht der NOFV vor Gericht.

Der DFB steht zwischen den Fronten. Seine Arbeitsgruppe lieferte zwei Varianten, doch jede hat Verlierer. Der WDFV verzögert die Entscheidung, lädt zu Info-Terminen ein und hofft auf Kompromisse. Frist: 30. Juni, danach muss der Klassenverband abstimmen. Bis dahin dürften in Siegen die Fähnchen für Offenbach schon bestellt sein, während in Gütersloh die Karten für Münster weiter offen liegen.

Am Ende zählt nur die Mehrheit, und die ist offen. 51 Prozent reichen – doch selbst das wirkt gerade so unrealistisch wie ein Aufstieg ohne Drama. Die Regionalliga wird zur Schicksalsliga, und NRW liefert das Hauptdrama.