Redbird plant 400-millionen-arena – san donato wird zur basketball-boomtown
Mailand. Noch liegt kein NBA-Spielplan, doch Gerry Cardinale hat schon den Kreditrahmen berechnet: 400 Millionen Euro, 18.000 Sitzplätze, 48 Monate Bauzeit. Wenn RedBird im März zusagt, steht San Donato vor dem nächsten Großprojekt – und das alte Forum di Assago vor dem Aus.
Warum san donato? weil hier schon alles geebnet ist
Der Grund ist einfach: Die Bagger rollen noch nicht, aber die Papiere liegen. RedBird besitzt das Areal an der A1 seit 2022, 180.000 Quadratmeter, zonenrechtlich bereits für Spitzenveranstaltungen freigegeben. Diese Genehmigung gilt ursprünglich für ein 60.000-Zuschauer-Fußballstadion, das der AC Milan irgendwann bauen wollte. Doch nach der Kehrtwende zum San-Siro-Neubau bleibt das Gelände brach – ein Vakuum, das Cardinale jetzt mit Basketball füllen könnte.
Die Rechnung: 400 Millionen Euro für eine Multi-Event-Arena, die locker 150 bis 200 Veranstaltungstage im Jahr fasst. Konzerte, Eishockey, eSports, Mixed-Martial-Arts – alles soll rein, nur damit die Zinsen stimmen. Ein NBA-Europe-Team wäre der magnetische Anker, aber keineswegs das einzige Standbein. Die Liga verlangt 15.000 Plätze, RedBird plant 18.000 – mehr Luft nach oben, mehr Einnahmen, mehr Druck auf die Konkurrenz.

Der zeitplan ist ein wettlauf gegen kalender und konkurrenten
Oktober 2027 – so früh will NBA Europe den ersten Sprungball werfen. Baubeginn frühestens Herbst 2025, Fertigstellung also Ende 2027. Das klappt nur mit einer Brückenlösung: zwei Jahre Miete im Mediolanum Forum, zwei Jahre Imageverlust in einer Halle, die 1990 eröffnete und selbst nach Modernisierung nur 12.700 Zuschauer fasst. Die Olimpia Milano würde zur Untermieterin im eigenen Wohnzimmer.
Parallel droht ein zweiter Konflikt: die Arena in Santa Giulia, einziger Neubau im Mailänder Stadtgebiet, soll 2026 für die Olympischen Jugendspiele eröffnen. 16.000 Plätze, 600 Millionen Euro Investition – und ein Betreiber, der schon jetzt Konzerte bucht. Drei Hallen, eine Stadt, begrenzte Sommer-Festival-Wochen. Die Clash-Rechnung ist gnadenlos: 400 Tage Veranstaltungsbedarf, 200 verfügbare Termine. Einer wird leer ausstehen.
Cardinale spielt Poker. Er setzt auf Schnelligkeit – und auf die Macht der Marke Milan. Denn der AC Milan bleibt Eigentümer des Grundstücks, auch wenn die Fußballer ins neue San Siro ziehen. Die Basketball-Arena würde so zu einem Nebengeschäft des Klubs, die Miete fließt direkt in die Kasse von Investoren-Firma RedBird. Ein Closed-Shop-Modell, das die Serie-A-Konkurrenten Inter und Atalanta so nicht mitgehen lassen können.

Die fans? sie zahlen, egal wo der korb hängt
Ticketpreise werden steigen – das ist keine Prophezeiung, sondern schon eingepreist. Ein Dauerkarte für Olimpia Milano kostet heute 480 Euro, in der neuen Arena sind 700 Euro realistic. Die Logen – 60 an der Zahl – kosten 120.000 Euro pro Saison, Tagesmiete inklusive. Die VIP-Seats, 2.500 Stück, sollen 350 Euro pro Abend einbringen. Addiert man Sponsoring, Naming Rights und Catering, errechnet sich eine schlanke Amortisation innerhalb von 15 Jahren. Voraussetzung: Auslastung über 85 Prozent. Kein Spielraum für Mittelmaß.
Und trotzdem: Die Nachfrage existiert. Mailand ist Italiens einziger Markt, in dem Basketball regelmäßig 10.000-plus Zuschauer zieht. Die Metro-Linie 4 endet 2026 direkt an der Stadtgrenze San Donato, die Autobahnausfahrt liegt 400 Meter entfernt. Ein Parkhaus mit 3.000 Stellplätzen ist bereits genehmigt. Die Infrastruktur ist kein Versprechen, sondern schon Beton.

Entscheidung märz – dann wird gelocht oder gelocht
Cardinale muss bis spätestens 31. März ein non-binding offer an NBA Europe senden. Kein Vertrag, nur eine Absichtserklärung. Doch hinter dem Papier steckt ein Fassungsvermögen von 1,2 Milliarden Euro – 400 für die Arena, 800 für Lizenz, Team-Start, Marketing und Spielerkader. RedBird hat das Kapital, die Frage ist nur: das Risiko?
Die Antwort wird fallen, bevor der neue San-Siro-Spatenstich erfolgt. Dann steht fest, ob San Donato zur doppelten Sport-Hochburg wird – oder ob das Projekt ein teurer Rohrkrepierer bleibt, der nur eines beweist: dass Geld allein keinen Korb trifft.
