Bastoni vor dem ausverkauf: barça lockt, inter zögert – die abwehr steht kopf

Mailand schläft nicht. Während die Meisterschaft noch läuft, brodelt es im Hinterzimmer der Inter-Führung. Alessandro Bastoni, bislang unantastbar, ist plötzlich Verkaufsobjekt. Barcelona hat ein konkretes Angebot auf den Tisch gelegt, Chelsea und Liverpool lauern. Die Devise lautet: Kommt die richtige Summe, fliegt der Italiener. Die Kasse soll klingeln, die nächste Transferwelle finanziert werden.

Der plan b heißt carlos augusto

Inter hat schon reagiert. Carlos Augusto, eigentlich als Backup für Federico Dimarco verpflichtet, hat sich zum Geheimfavoriten gemausert. Der Brasilianer spielte gegen Atalanta bereits links in der Dreierkette – und glänzte. Sein Vorteil: Er kann sowohl Außenverteidiger als auch Innenverteidiger spielen, ist schnell, ballsicher und kopfballstark. Für Trainer Simone Inzaghi ist er die Schweizer Taschenmesser-Lösung. Sollte Bastoni gehen, rutscht Augusto sofort in die Startelf. Ein interner Abtausch, der kaum Qualität kostet – zumindest auf dem Papier.

Doch dahinter wartet ein Problem. Stefan de Vrij und Francesco Acerbi stehen vor dem Abgang, Verträge laufen aus. Damit verliert Inter drei erfahrene Innenverteidiger binnen weniger Wochen. Ein Neuzugang ist Pflicht. Die Scouting-Liste ist lang, die Kasse begrenzt. Oaktree, die US-Investmentfirma, will junge, verkaufsträchtige Talente. Genau deshalb kursieren zwei Namen durch die Büros in Via della Liberazione: Tarik Muharemovic vom FC Südtirol und Oumar Solet von Udinese.

Muharemovic und solet: zwei profile, eine frage

Muharemovic und solet: zwei profile, eine frage

Muharemovic ist 20, linker Fuß, 1,92 Meter groß. Er spielt bereits mit der Coolness eines Routiniers, wirft sich aber mit der Leidenschaft eines Jugendlichen in jeden Zweikampf. Für Oaktree ein Klassiker: günstig, entwicklungsfähig, später mit Gewinn weiterverkaufbar. Solet dagegen ist ein alter Bekannter. Inter beobachtete ihn schon in Salzburg, verpasste den Zugriff, jetzt ist er in Udine aufgetaucht – gesund, reif und mit Serie-A-Erfahrung. Die Frage lautet: Risiko oder Sicherheit? Geld oder sofortige Stabilität?

Die Antwort könnte das Modus-Operandi der nächsten Saison bestimmen. Denn parallel zur Personalie Bastoni schwirrt ein Gerücht durch Milanello: Inter erwägt erstmals seit der Spalletti-Ära einen Systemwechsel. Weg vom 3-5-2, hin zu einem Viererkettensystem. Cristian Chivu, Co-Trainer und taktisches Gehirn, favorisiert 4-2-3-1. Bastoni passt da nicht mehr rein – Augusto, Dimarco oder Solet schon. Ein Wechsel würde auch den Marktwert einiger Spieler nach oben treiben, ein Verkauf von Bastoni wäre da nur logisch.

Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Inter muss bis Juni rund 60 Millionen Euro einnehmen, um die Financial-Fair-Play-Vorgaben zu erfüllen. Bastoni hat einen Marktwert von 55 Millionen. Ein einziger Handschlag, und die Lücke ist geschlossen. Die emotionale Rechnung ist komplizierter. Bastoni kam mit 18, wurde zum Stammspieler, zur Fahne. Die Fans singen noch immer sein Lied, doch die Geschäftsführung schaut auf Excel-Tabellen. Und dort steht: Verkauf erwünscht.

Am Ende bleibt ein Gedanke: Wenn der FC Barcelona anklopft, öffnen sich Türen, die sonst verschlossen bleiben. Für Bastoni bedeutet es die Champions-League-Bühne, für Inter die nächste Runde im Dauerrennen um Liquidität. Der Abschied rückt näher – und mit ihm ein neues Gesicht der Nerazzurri. Die Abwehr wird jünger, schneller, flexibler. Ob sie auch besser wird, entscheidet sich an den ersten Spieltagen der neuen Saison. Bis dahin zählt nur ein Satz: Alles ist verhandelbar. Sogar ein Idol.