Real madrid: geheime social-media-armee beeinflusste wahlkampf?
Madrid – Ein Schattenkrieg im digitalen Raum offenbarte sich im Vorfeld der Präsidentenwahl des Real Madrid: Eine spezialisierte europäische Beratungsfirma hat ein Netzwerk von 326 potenziell inauthentischen X-Konten aufgedeckt, die koordiniert in die Diskussionen um die Nachfolge von Florentino Pérez eingriffen. Die Enthüllung wirft ernsthafte Fragen nach der Integrität des Wahlprozesses auf und könnte das Ansehen des Vereins nachhaltig beschädigen.

Taktische desinformation und gezielte angriffe
Die Untersuchung, die mit forensischen WEBINT-Techniken durchgeführt wurde, zeigte, dass die Aktivitäten in zwei Hauptrichtungen kanalisiert wurden: Einerseits die Stärkung des öffentlichen Images von Florentino Pérez, andererseits die Verbreitung kritischer Botschaften gegen Enrique Riquelme, seinen aussichtsreichsten Herausforderer. Die Kampagne von Riquelme analysierte über 119.000 Erwähnungen im Zusammenhang mit dem Wahlkampf und kam zu dem Schluss, dass die identifizierten Konten in den zwei Wochen nach der Wahlankündigung am 14. Mai mehr als 29.000 Beiträge, Antworten und Retweets generierten – fast ein Viertel des gesamten digitalen Diskurses rund um die Wahl.
Das Netzwerk wurde in zwei Ebenen unterteilt. Ein Kern aus elf älteren und vermeintlich glaubwürdigen Konten, genannt 'Vector Prestige', fungierte als Ideengeber für pro-Pérez-Narrative. Eine zweite Schicht, 'Vector Swarm', bestehend aus 315 Konten geringerer Qualität, diente dazu, diese Botschaften zu verstärken und Riquelme durch aggressivere Äußerungen unter Druck zu setzen. Die Strategie war offensichtlich: Eine gezielte Flut von Informationen, um die öffentliche Meinung zu beeinflussen.
Die Aktivität dieses Netzwerks lässt sich bereits seit 2022 nachweisen, intensivierte sich aber deutlich mit der Ankündigung der Wahl. Inaktive Konten wurden reaktiviert, neue Profile geschaffen, die sich massiv an den Diskussionen beteiligten. Die Analyse der Konten stützt den Verdacht auf Manipulation: Gleichzeitige Reaktivierung alter Konten, häufige Namensänderungen, Fokussierung auf ein einziges Thema, koordinierte Verstärkungsmuster und Diskrepanzen zwischen der angegebenen Identität und technischen Metadaten.
Schlüsselmomente der Kampagne fielen mit Ankündigungen von Riquelme zusammen, wie der Präsentation seines Wahlprogramms, der Bekanntgabe von Spielertransfers oder Initiativen während des Champions-League-Finales in Budapest. Besonders auffällig war ein Narrativwechsel Ende Mai, als viele Beiträge nun die Idee von Pérez zur Öffnung von fünf Prozent des Kapital des Clubs für ausländische Investoren verteidigten. Die Beratungsfirma weist ausdrücklich darauf hin, dass die Untersuchung keine direkte Urheberschaft nachweist oder Verbindungen zu bestimmten Kandidaten oder Kampagnen herstellt – lediglich Muster koordinierter digitaler Einflussnahme werden aufgezeigt.
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Ein Netzwerk von hunderten Konten, das gezielt die öffentliche Meinung beeinflussen sollte. Ob es sich um eine offizielle Kampagne handelte oder um eine Initiative von außen, bleibt im Moment ungeklärt. Fest steht: Der digitale Wahlkampf um den Real Madrid ist deutlich schmutziger geworden und wirft einen Schatten auf den Ruf des Vereins.
