Raya entzaubert lissabon – neuer muss sich warm anziehen
David Raya lässt Sporting in Albträumen zurück. 27 von 30 Schüssen in dieser Champions-League-Saison gehalten, drei Gegentore in zehn Spielen – Zahlen, die Manuel Neuer mit 40 Jahren blass aussehen lassen.
Die nacht, in der der kleine riese auftauchte
1,83 Meter misst der Spanier, doch im Estádio José Alvalade wirkte er wie drei Meter groß. Maxi Araújo donnerte aus spitzem Winkel, Raya tippte an die Latte. Geny Catamo stieg höher als alle, Raya riss die Hand noch oben. Fünf Saves, 1,63 xG verhindert – und das in der 90. Minute, als Kai Havertz das 0:1 versenkte. Die Sport-Redaktion schrieb „unglaublich“, Trainer Mikel Arteta fand schlicht keine Worte.
Die portugiesische Presse sprach am Morgen danach von „ein Torwart, der die Gesetze der Schwerkraft aushebelt“. Iván Fresneda, Rechtsverteidiger von Sporting, pflichtete bei: „Wir hätten mindestens ein Remis verdient. Aber Raya war einfach genial.“

Arsenal schickt den geist von wembley in die nacht
Die Londoner kamen mit gebrochenem Selbstvertrauen. Carabao-Cup-Finalpleite gegen Manchester City, Blamage gegen Southampton in der FA Cup – plötzlich roch es nach Krise. Raya saß zuvor auf der Bank, nun bewies er, warum Arteta sich im Sommer für ihn und nicht für Aaron Ramsdale entschied. Sieben Clean Sheets in der Königsklasse, 90 Prozent Save-Quote – kein Keeper trägt besser.
Dabei war er es, der 2021 bei der Einreise nach England noch belächelt wurde: zu klein, zu unruhig mit den Füßen. Drei Jahre später verteilt der 28-Jährige mit 70 Prozent Passquote die Bälge wie ein Metronom, startet acht Mal außerhalb des Strafraums und klärt elf hohe Bälle. Opta zählt 3,57 verhinderte Treffer – mehr als jeder andere Torhüter des Turniers.
Spanien hat ein luxusproblem
Während in Madrid über Unai Simón und Joan García diskutiert wird, liefert Raya Argumente für eine Ticket-Nominierung. Drei Goldene Handschuhe in Folge in der Premier League winken, der Champions-League-Titel wäre die Krönung. „Wir nutzen den Schmerz als Treibstoff“, sagte er nach Abpfiff. Gemeint ist die Heimschlappe gegen die Saints, gemeint ist auch das Gefühl, nie ganz dazuzugehören.
Die Statistik jedenfalls lässt keinen Zweifel: Wer Raya schießt, trifft selten. Und wer ihn noch unterschätzt, läuft Gefahr, wie Sporting am Ende ohne Tor dazustehen.
