Rangnick hat 26 plätze, 55 kandidaten – und sabitzer liefert die einzige konstante

Marcel Sabitzer schießt, Österreich gewinnt – das Schema gleicht einem Copy-Paste der vergangenen Tage. Doch hinter dem 1:0 gegen Südkorea wächst ein Luxusproblem, der selbst Ralf Rangnick die Stirn runzelt: 55 mögliche Namen für 26 WM-Trikots, und keiner spielte sich raus.

Sabitzer trifft, aber die echten gewinner heißen chukwuemeka, wanner & co

Die 63. Minute im Happel-Stadion: Xaver Schlager rutscht in halb links außen, spielt quer, Sabitzer nimmt mit dem ersten Kontakt mit, der Ball zischt unter den Querschläger. Es war sein zweites Tor innerhalb von 72 Stunden – und gleichzeitig der einzige Treffer, den Österreich in zwei Testspielen brauchte, um den Gegner zu brechen. „Guter Angrug, hab’s sauber getroffen“, kommentiert der BVB-Mann mit der Lässigkeit eines Kneipendarts-Spielers. Was er verschweigt: Ohne seinen Linksschuss wäre die Debatte um spielerische Reife jetzt ein Shitstorm.

Denn die Wahrheit des Abends ist unbequem. Erste Halbzeit: Ballstaffette mit Handbremse, Tempo wie nach Feierabend-Futsal. Südkorea presst, Austria verliert sich in horizontalen Passkombinationen. „Wir haben angezählt“, sagt Rangnick, und man hört das Knirschen seiner Zähne. Die zweite Hälfte bringt zehn Wechsel, neue Energie, aber keine Glanzparade. Dennoch: drei Punkte, zweiter Sieg, 13. Heimspiel in Folge ohne Niederlage – Rekord.

55 Kandidaten, ein stichtag: warum der 1. juni zum geduldstest wird

55 Kandidaten, ein stichtag: warum der 1. juni zum geduldstest wird

Am 11. Mai muss Rangnick seine Vorauswahl einreichen – 35 bis 55 Spieler. Am 1. Juni folgt die endgültige 26-Mann-Liste. Klingt nach Spielraum, ist aber ein Spießrutenlauf. „Jeder, den ich mitnehme, muss 90 Minuten auf Weltniveau gehen können“, sagt der Teamchef. Das klingt harmlos, ist aber ein Selektionshammer. Denn bisher lieferte niemand ein echtes Ausfallrisiko ab.

David Affengruber (21) machte hinten rechts stabil, Paul Wanner (18) eröffnet neue Dribbelrouten, Carney Chukwuemeka (20) schaltet zwischen den Linien wie ein Router mit Vollgas. „Wir haben in der Breite Qualität gewonnen“, sagt Rangnick – und meint: Ich weiß noch nicht, wen ich zu Hause lasse.

Die Statistik lügt nicht: 13 Heimspiele ohne Pleite, erst zwei Gegentore 2024. Doch der Gegner hieß Ghana und Südkorea – nicht Frankreich oder Argentinien. Die echte Bewährungsprobe folgt am 1. Juni gegen Tunesien. Dort wird Rangnick seine letzte PR-Antwort liefern, bevor die Jets Richtung USA starten.

Bis dahin zählen Sekunden, nicht Tore. Und Sabitzer? Der lacht, zuckt mit den Schultern: „Wir freuen uns auf den Sommer.“ Ein Satz, der wie ein Countdown klingt. 77 Tage bis Jordanien. 77 Tage, um 29 Profis enttäuschen zu müssen. Die Uhr tickt. Rangnick hat die Qual – und Sabitzer liefert weiter die Tore.