Ramos wird 40, ist frei – und kauft sich seinen klub

Sergio Ramos feiert heute seinen 40. Geburtstag ohne Arbeitgeber, aber mit einem Kaufvertrag in der Tasche. Der Mann, der 26 Jahre lang Verteidiger spielte, will fortan im Vorstand tackeln.

Der schurke wird investor

Sein Vertrag bei Rayados de Monterrey endete am 31. Dezember. Statt nach Europa zurückzukehren, gründete Ramos mit der Investmentgruppe Five Eleven Capital eine Übernahme-Spezialgesellschaft. Eine Absichtserklärung für den Traditionsklub liegt seit Wochen beim spanischen Marktaufsichtsamt, die Due-Diligence-Prüfung ist abgeschlossen. Die finale Offerte soll diese Woche folgen. Der Preis: 180 Millionen Euro für 72 Prozent der Anteile. Ein Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass der Klub allein das Stadion besitzt und eine Akademie mit 400 Jugendlichen betreibt.

Die Rückkehr nach Sevilla war im Winter kurz diskutiert, scheiterte aber an der Gehaltsstruktur. Ramos wollte nicht mehr für 2,5 Millionen Euro pro Jahr ran, er wollte mitbestimmen. Jetzt zahlt er selbst die Gehälter.

32 Spiele, acht tore, ein abschied mit mikro

32 Spiele, acht tore, ein abschied mit mikro

In Mexiko lief er 32-mal auf, erzielte acht Tore – mehr als manche Stürmer in der Liga. Nach dem Halbfinale gegen Tigres nahm er sich das Mikrofon und sang: „Esta es mi despedida.“ Die Fans weinten, die Presse feierte ihn als Ikone. Dabei war er erst zwölf Monate dort.

Die Zahlen klingen nach Statistik, erzählen aber eine Geschichte. Ramos ging nicht nach Monterrey, um auszuruhen. Er ging, um zu beweisen, dass er noch 90 Minuten lang pressen kann. Nun beweist er, dass er 90 Millionen Euro verwalten kann.

30 Rot, 25 titel, ein kopfball für die ewigkeit

30 Rot, 25 titel, ein kopfball für die ewigkeit

30-mal flog er vom Platz, 25-mal hob er Pokale. Kein Verteidiger der Geschichte stand öfter im Finale der Champions League. Sein Kopfball in der 93. Minute 2014 gegen Atlético wird in Madrid noch immer gesungen – nicht gespielt, gesungen. Die „Décima“ war sein Tor, sein Moment, sein Erbe.

Mit Spanien gewann er die WM 2010 und zwei EM-Titel. Er spielte 180 Länderspiele, traf 23-mal. Zahlen, die ihn in die Statistik katapultieren, aber nicht erklären, warum Gegner vor ihm zitterten. Es war der Blick, der Stolz, die Vorstellung, dass er jeden Zweikampf gewinnt – und wenn nicht, dann den nächsten.

Heute sitzt er in einem Büro in Sevilla, nicht auf der Bank. Die Fitnessstudioszene auf Instagram? Ein Nebenprodukt. Er trainiert noch jeden Morgen um sechs Uhr, aber nicht mehr für 90 Minuten, sondern für 90 Prozent der Stimmrechte.

Der Schurke wird 40 und kauft sich das Spielfeld, auf dem er einst Gelb sammelte. Dann wird er es umbenennen – in sein eigenes.