Rai 1 zeigt cocciante-doku: musiklegende wird 80 und bricht mit tv-ritual

Riccardo Cocciante spart sich das obligatorische Jubiläumskonzert. Stattdessen flimmert heute Nacht um 23:45 Uhr auf Rai 1 „Il mio nome è Riccardo Cocciante“ – kein Rückblick mit Orchester, sondern ein 90-Minuten-Fegefeuer aus Privatem und Studio-Mythos.

Warum raiplay die sendung schon morgen freischaltet

Warum raiplay die sendung schon morgen freischaltet

Die Entscheidung der Programmchefs liegt auf dem Silbertablett: Wer nach Mitternacht einschaltet, verpasst den Twitter-Hype. Deshalb landet die Doku bereits am 5. März in der RaiPlay-Sektion „Documentari“ – ein klarer Seitenhieb gegen Netflix, das italienische Musikporträts bislang links liegen lässt.

Regisseur Fabrizio Corallo montierte 120 Stunden Archivmaterial neu, mischt Schwarz-Weiß-Aufnahmen aus den Pariser Gassen der 60er mit HD-Clips von Cocciantes letzter Rom-Tour. Das Ergebnis: ein Splitscreen aus Ehekrise und Chart-Hit, der ohne Voice-over auskommt. Erzählt wird nur mit Cocciantes Stimme – und mit denen von Serena Brancale sowie Boxer Dario Morello, die dem Sänger die Fäuste zum Rhythmus erklären.

Die Zahl, die alle Sender-Statistiker heute Nacht wach hält: 1,8 Mio. Abrufe auf RaiPlay erwartet das Marketing – mehr als doppelt so viel wie die letzte Battisti-Doku. Denn Cocciante ist in Italien nicht nur Komponist von „Notre-Dame de Paris“, sondern auch ewiger Quoten-Garant bei Sanremo-Auftritten.

Wer denkt, das sei Retro-Kult, irrt. Die TikTok-Generation entdeckt gerade „Bella senz’anima“ für Slow-Mo-Clips. Die Hashtags #Cocciante80 und #RaiDoc schossen seit der Ankündigung um 340 % nach oben. Die ARD-Tochter will jetzt nachziehen und prüft eine deutsche Fassung – mit Untertiteln, die Cocciantes französisches Italienisch originalgetreu wiedergeben.

Für Cocciante selbst ist die Sendung nur eine Fußnote. Er arbeitet laut Produktionsfirma Daimon Film bereits an einem neuen Musical über Caravaggio. Drehort: Berlin. Start: 2026. Bis dahin bleibt Rai 1 die einzige Adresse, um den 80-Jährigen live zu erleben – zumindest auf dem Bildschirm.