Prevc zerbricht kulm-rekord und jagt die ewigen – nur vikersund kann ihn noch stoppen
Domen Prevc hat die Steiermark zum Kochen gebracht. Mit 245,5 Metern flog der Slowene am Sonntag nicht nur zum sechsten Saisonsieg, sondern pulverisierte auch den 14 Jahre alten Schanzenrekord seines Bruders Peter. Die Zahl, die durch die Lautsprecher donnert: 252,5 Punkte – ein Wert, der selbst erfahrene Statistiker ins Stolpern bringt.
Der anlauf wurde verkürzt – der flug wurde länger
Die Jury zog zwei Luken raus, um ihn zu bremsen. Prevc lachte darüber. Mit reduziertem Tempo katapultierte er sich 238 Meter weit in den ersten Durchgang, landete butterweich und legte schon da zwölf Punkte Vorsprung hin. Stephan Embacher, Österreichs 20-jähriger Hoffnungsträger, schlug 240,5 Meter an – aber der schlechte Ausgang kostete ihn die halbe Welt. Im Finale ging Embacher auf Angriff, verkürzte sogar den Anlauf, um die Luftlinie sauber zu treffen. 225 Meter, Platz zwei – mehr war nicht drin.
Prevc? Der nahm einfach noch mal zehn Meter mehr. 245,5 Meter, neue Bestmarke, neuer Jubel, neue Krone. Die Kulm-Schanze hat einen neuen König – und der heizt weiter Richtung Vikersund.

Deutsche bleiben hinter den erwartungen – wellinger findet spät die form
Andreas Wellinger lachte nach dem Finale, aber es war ein müdes Lächeln. «Fünfter, das ist mein bestes Ergebnis dieser Wintersaison», sagte der 30-Jährige und klang dabei wie jemand, der sich selbst nicht glaubt. 223 und 219,5 Meter – solche Weiten reichten früher für Podestplätze, heute nur noch für die zweite Reihe. Philipp Raimund folgt auf Rang 15, Karl Geiger auf 16. Die DSV-Staffel muss in Vikersund zulegen, will sie nicht erneut nur Zuschauer sein, wenn die Großen fliegen.
Luca Roth und Pius Paschke schafften die Qualifikation, verpassten aber das Finale. Felix Hoffmann blieb gar draußen – 195 Meter, Platz 41. Die Saison, die ihn zum Shootingstar machte, endet mit einem Fragezeichen.

Japaner mit geliehenen ski – naito wird zur flug-legende
Die Geschichte des Tages schrieb Tomofumi Naito. Ohne eigenes Material angereist, borgte er sich Ski vom französischen Team. Ergebnis: 242,5 Meter im zweiten Durchgang, Platz vier, persönliche Bestleistung. «Ich glaube, ich behalte die Ski einfach», sagte er lachend – und meinte es halb. Die Kulm liebt ihre Außenseiter, und Naito ist jetzt ihr Held.
Es bleiben zwei Stationen: Vikersund und Planica. Prevc führt mit 1.486 Punkten, 312 Zähler vor dem Norwegen Forfang. Die Jagd auf die kleine Kristallkugel wird zur Formfrage – und die Form trägt slowenische Farben. Wer will, kann die Re-Lives der Durchgänge noch einmal bei der Sportschau streamen – 47 Minuten pure Flugkunst, kommentiert von Bartels und Hannawald. Aber Vorsicht: Suchtgefahr inklusive.
