Prevc rauscht zum heimsieg, schmid fliegt tränen der rührung

Katharina Schmid ließ eine Träne über die Glitzer-Flaggen auf ihrer Wange gleiten und flog dann 176 m weit in ihre sportliche Zukunft. 13. Platz, Applaus bis Slowenien zitterte – mehr brauchte die Rekordweltmeisterin nicht, um ihr Karriereende zum Kino-Moment werden zu lassen. Nika Prevc aber schraubte den Triumph auf 228,5 m, schnappte sich vor heimischem Publikum ihren 18. Saisonsieg und bewies, dass sie längst die neue Königin der Flugschanzen ist.

Schmid tritt ab – und weint vor glück statt vor schmerz

Die 29-Jährige hatte die Entscheidung schon im Winter verkündet, doch bis der Startschuss fiel, schlug ihr Herz wie ein Gong. „Ich kann es einfach nur genießen“, sagte sie nach dem zweiten Sprung, während ihr Bruder am Auslauf wartete und das Team Sekt-Shower verpasste. 286 Weltcup-Einsätze, 19 Einzelsiege, drei Goldmedaillen bei der WM 2023 – die Zahlen lesen sich wie eine Abrechnung, doch Schmid lächelt. Die Glitzer-Tränen waren keine Pose, sondern pure Erleichterung.

Planica ist ihr zweites Wohnzimmer. Hier flog sie 2023 zur Rekordweltmeisterin, hier verabschiedet sie sich nun als Mentorin fürs Oberstdorfer Nachwuchsprogramm. „Die Bahn ist frei für die Jungen – und ich darf endlich mal zuschauen“, sagt sie und klingt, als hätte sie den Sprung ins Leben schon wieder auf Anschlag geplant.

Prevc fliegt dem rekord hinterher, kvandal bleibt auf distanz

Prevc fliegt dem rekord hinterher, kvandal bleibt auf distanz

Während Schmid feierte, jagte Nika Prevc die Konkurrenz in die Tiefe. 228,5 m im ersten Durchgang, 221 m im zweiten – beide Flüge sauber wie ein Taktstock. 405,3 Punkte bedeuten Sieg, 17,2 Zähler Vorsprung auf Eirin Maria Kvandal und 43,6 auf Nozomi Maruyama. Die Norwegerin versuchte es mit Risiko, landete aber bei 212 m und musste sich mit Silber begnügen. Maruyama holte Bronze, blieb aber ein rhetorischer Nebensatz in Prevcs eigenem Film.

Die Slowenin hatte den Weltrekord erst am Vortag auf 242,5 m gestellt, nun ließ sie es ruhiger angehen – und gewann trotzdem. „Ich wollte nur sicher fliegen und meiner Familie zeigen, dass ich die Nerven beherrsche“, sagte sie und klang, als würde sie gerade erst warm werden. Mit 18 Siegen in einer Saison schreibt sie Geschichte, die bisher niemand für möglich hielt.

Deutsche team bleibt ohne podest, aber mit perspektive

Deutsche team bleibt ohne podest, aber mit perspektive

Agnes Reisch wurde Achte, Selina Freitag Zehnte – keine Medaille, aber auch kein Drama. Reisch flog 189 m, Freitag 193 m, beide wissen: Die Prevc-Ära ist Realität, die eigene aber noch im Aufbau. „Wir haben gelernt, dass man nicht nur weit, sondern auch konstant springen muss“, sagt Bundestrainer Maximilian Mechler knapp. Für die DSV-Damen geht es nun in den Sommer, der nächste Anlauf folgt in Lillehammer.

Katharina Schmid aber schaltet endlich auf Sparflamme. Sie wird nicht verschwinden, nur eben nicht mehr starten. „Ich hab alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt – außer eine goldene Olympiamedaille“, sagt sie und lacht. Dann verschwindet sie im Schneegestöber, begleitet vom Applaus einer ganzen Nation. Wer weiß, vielleicht steht sie nächstes Jahr am Band der Letalnica und feuert die nächste Generation an. Bis dahin bleibt ein Satz hängen: „Ich fliege nie wieder um Punkte – nur noch um Freude.“